Katholikentag Bischöfe machen gegen die Laien mobil
Hamburg - Auf den Katholikentagen gebe es "Christliches und Vernünftiges, aber es wird auch jeder Hauch von Schwachsinn uralten Weisheiten gleichgestellt", sagte Erzbischof Johannes Dyba (Fulda). Man solle lieber "die positive Vielfalt der Kirche zeigen und nicht die Degenerationserscheinungen".
Als Medium für den internen "Kirchenkampf" wählte er ausgerechnet die linke "taz", um in dem zweiseitigen Interview drastisch auf seine Bischofskollegen einzuschlagen: Unter diesen gebe es eine "schaurige Servilität gegenüber der Politik". Der Kölner Erzbischof, Kardinal Joachim Meisner, fällte im "Rheinischen Merkur" ein vernichtendes Urteil über den Verein Donum Vitae - der sei mit der kirchlichen Lehre unvereinbar, das Prädikat "katholisch" Etikettenschindel. In der konservativen katholischen "Deutschen Tagespost" setzte sich jetzt außerdem Gabriele Gräfin Plettenberg, als Beraterin Meisners bekannt, mit der "Zukunfsfähigkeit des organisierten Laienkatholizismus" kritisch auseinander.
Die geballte publizistische Offensive hat nach Ansicht von Kirchenkennern einen politischen Hintergrund. Im Kern solle das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) getroffen werden. ZdK-Präsident Hans Joachim Meyer hat wiederholt den Geist der Erneuerung im Sinne des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) beschworen - gegen restaurative Tendenzen, wie es im ZdK heißt. Die reformorientierte Haltung sei den Konservativen wie Meisner und Dyba ein Dorn im Auge. Das Programm des Hamburger Katholikentages will dagegen Impulse geben, etwa für das Diakonat der Frau, für weitere Mitwirkungsmöglichkeiten der Laien in den unter Priestermangel leidenden Kirchengemeinden, für die Hoffnung auf eine möglichst baldige Abendmahlsgemeinschaft von Katholiken und Protestanten.
"Ich sehe die Interviews von Meisner und Dyba als einen Versuch, den Katholikentag zu stören und die kritische Auseinandersetzung in der katholischen Kirche mundtot zu machen", sagt Christian Weisner von der Reformbewegung "Wir sind Kirche". Dies sei ein durchsichtiger Versuch, der aber nicht wirkungsvoll sein werde. Denn sowohl Meisner als auch Dyba hätten im Kirchenvolk weitgehend das Vertrauen verloren.
Matthias Hoenig