Klatschverweigerung für Stoiber Zank im Sandkasten der CSU und CDU
Berlin/München - Stoiber war am Dienstag von den CDU-Delegierten nur mit spärlichem Beifall bedacht worden. Söder machte nun dafür das "Verhalten des einen oder anderen selbst ernannten CDU-Strategen im Hintergrund" verantwortlich. Der CSU-Bundestagsabgeordnete Hans Michelbach warnte die Schwesterpartei davor, die gemeinsame Arbeit in der Unions-Fraktion zu gefährden.
Söder widersprach zugleich Einschätzungen, dass der Leipziger Parteitag als inoffizielle Nominierung der CDU-Vorsitzenden Angela Merkel als Kanzlerkandidatin zu verstehen sei. Er betonte: "Angela Merkel ist die Nummer eins der CDU, Edmund Stoiber ist die Nummer eins der CSU. Umfragen zeigen, dass er der Unions-Politiker ist, dem die Menschen in Deutschland am meisten vertrauen." Die K-Frage werde im Übrigen nicht auf einem CDU-Parteitag entschieden, sondern von CDU und CSU gemeinsam.
CDU-Präsidiumsmitglied Hermann-Josef Arentz bezeichnete dagegen Merkel als "absolute Nummer eins" in der Union. Stoiber könne ihr eine Kanzlerkandidatur nicht mehr streitig machen. Der Vorsitzende der CDU-Sozialausschüsse (CDA) forderte die CSU zugleich zum Einlenken bei den Sozialreformen auf. Es wäre vernünftig, "wenn sich CDU und CSU auf Grundlage der Leipziger Beschlüsse verständigen würden".
Söder entgegnete, in Leipzig seien "viele teure Maßnahmen" beschlossen worden. Deren Finanzierbarkeit sei "mehr als fraglich". Die Junge Union in Bayern warf der CDU vor, Stoiber auf dem Parteitag bewusst brüskiert zu haben. Ihr Chef Manfred Weber kritisierte, die geringe Zustimmung der Delegierten zu dem CSU-Vorsitzenden sei "ein Stück weit von interessierten Kreisen gesteuert" worden. Verantwortlich dafür sei CDU-Vizechef Jürgen Rüttgers. Dieser habe die Delegierten vor Stoibers Rede gebeten, "nicht zu applaudieren".