Klein-Prozess "Eine James-Bond-Welt"
Frankfurt am Main - Cohn-Bendit sagte bei seinem Auftritt vor dem Frankfurter Landgericht, die Führungsfiguren der "Revolutionären Zellen", Wilfried Böse und Johannes Weinrich, hätten Kleins emotionale Strukturen ausgenutzt. "Die haben ihm eine James-Bond-Welt angeboten." Der Angeklagte habe eine zerrissenen Persönlichkeit, so Cohn-Bendit. Klein sei von einer großen Zärtlichkeit und zugleich von einer starken Aggressivität dominiert worden. "Er hat versucht, gleichzeitig in der Welt der Guerilla und in dem Frankfurter Stadtteil Bockenheim zu leben". Bei den Revolutionären Zellen habe er wohl die Heimat gefunden, die ihm die gemäßigte linke Szene nicht geboten habe.
Er selbst habe das Abgleiten Kleins in den Terrorismus als persönliche Niederlage empfunden, so Cohn-Bendit. Auf Grund seiner kritischen Einstellung gegenüber den Militanten sei er in der Frankfurter Szene und auch von Klein scharf angegriffen worden. Fragen zur Beziehung Kleins zu dem heutigen Bundesaußenminister Joschka Fischer (Grüne) beantwortete der 55-Jährige nicht.
Der ehemalige Studentenführer der 68er-Bewegung musste im Prozess gegen Klein wegen des Anschlags auf das Opec-Treffen im Dezember 1975 in Wien aussagen. Cohn-Bendit wird vorgeworfen, den Terroristen, den er in den sechziger Jahren in Frankfurt kennen gelernt hatte, über Jahre hinweg finanziell und moralisch unterstützt zu haben.
Bei dem Überfall auf die Opec wurden drei Menschen erschossen. Klein wurde schwer verletzt und setzte sich später nach eigenen Angaben in den Jemen ab. Im September 1998 wurde er von Zielfahndern des Bundeskriminalamtes in Frankreich verhaftet, wo er mehr als 20 Jahre lang unter falschem Namen gelebt hatte.