Kommentar CDU bleibt im freien Fall
Hart gestritten, dann die Schultern gestrafft - und jetzt mit frischer Kraft weiter wie bisher. Es ist der kleinste gemeinsame Nenner, auf den sich Kohlianer und so genannte Aufklärer in der CDU einigen konnten. Rücktritt des Parteivorsitzenden, der in seiner Rolle als Krisenmanager so kläglich gescheitert ist? Er habe sein Amt zur Disposition gestellt, lässt Wolfgang Schäuble wissen. Doch das Präsidium habe ihn zum Bleiben aufgefordert. Und die seit Wochen fassungslose Öffentlichkeit fragt sich: Was nun, CDU?
Denn trotz aller Durchhalteparolen, trotz aller demonstrativer Geschlossenheit - die Probleme der CDU sind mit dem Ergebnis der Krisensitzung noch größer geworden. Ein Vorsitzender, dessen Rücktritt schon so gut wie perfekt schien, dessen Kritiker in den eigenen Reihen täglich zahlreicher werden, scheint kaum geeignet, die angeschlagene Partei aus der Krise zu führen. Und mag die Unterstützung jetzt auch noch so nachdrücklich versichert werden - der nächste Skandal, der unweigerlich folgen wird, wird auch Wolfgang Schäuble erneut unter Druck setzen.
Und die nächsten düsteren Wolken ziehen bereits auf. Da ist der Noch-Ehrenvorsitzende Kohl, der sich trotzig weigert, die Namen angeblicher Spender zu nennen. Und damit den Verdacht nährt, auch diese "Spender" könnten, wie die angeblichen anonymen Vermächtnisse an die Hessen-CDU, reine Erfindung sein.
Da ist außerdem der völlig außer Kontrolle geratene Karlheinz Schreiber, der sich in Kanada den deutschen Behörden entzieht, die ihn gern näher zu den Vorwürfen der Steuerhinterziehung und Bestechung befragen würden. Und sich dort einen Spaß daraus macht, mit täglich neuen Erklärungen für Aufregung zu sorgen. Ein Mann, der damit droht, die Republik mit seinen weiteren Enthüllungen zu erschüttern.
Und da bleibt der Verdacht gegen all jene einstigen Wilden und Milden, gegen die Mitläufer im Hofstaat des Helmut Kohl. Dass sie doch mehr gewusst haben, als sie bis heute zugeben mochten. Ein Generalverdacht, der im Einzelfall ungerechtfertigt und unfair sein kann. Den die Kanthers und Schäubles, die Wittgensteins und die Terlindens mit ihrer Salami- und Hinhaltetaktik aber erst herausgefordert haben.
Rückhaltlose Aufklärung haben sie sich in der CDU erneut verordnet. Alle Verantwortlichen sollen zur Rechenschaft gezogen werden. Und in der Tat: Solange nicht jeder Verdacht ausgeräumt ist, solange nicht alle ihre Verantwortung auch tatsächlich übernommen haben, bleibt die CDU im freien Fall. Es war dies nicht die letzte Krisensitzung der CDU in Sachen Spenden, Sumpf und Schmiergeld.