Kommentar: Das war's, Wolfgang Schäuble - DER SPIEGEL
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Kommentar Das war's, Wolfgang Schäuble

Von Rita Kohlmaier
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Erst stritt er ab, auch nur irgend etwas von Helmut Kohls Finanzgebaren geahnt zu haben, dann gab er häppchenweise das Gegenteil zu. Jetzt musste Wolfgang Schäuble eingestehen, selbst Geld von Waffenhändler Schreiber angenommen zu haben. Geld, das dann auch noch unkorrekt verbucht wurde. Selten hat sich jemand so gründlich selber ausgeknockt.

Über die Gründe, warum Schäuble mit seinem Eingeständnis ausgerechnet jetzt herausrückt, kann bisher nur spekuliert werden. Die wahrscheinlichste Vermutung: Schäuble wusste, dass die Wahrheit demnächst ohnehin herausgekommen wäre. Ob durch den angekündigten Bericht der Wirtschaftsprüfer oder Mitwisser, die bald geplaudert hätten oder zumindest damit drohten. Schon gibt es Gerüchte, Kohl habe seinen einstigen Kronprinzen zur Beichte gezwungen.

Der Altkanzler hatte in den letzten Wochen ein Prinzip schier zur Kunstform erhoben: Immer nur das zugeben, was nicht mehr zu leugnen ist. Womit er die Jungen, wie sie wortreich beklagten, an den Rand der Verzweiflung trieb. Aber, so lamentierte Schäuble über Kohls Weigerung, die Namen der Spender zu nennen: "Wir können ihn nicht zwingen." Nein, das konnte Schäuble sicher nicht. Aber sich selbst hätte er durchaus zwingen können. Dazu, freiwillig mit der Wahrheit herauszurücken und den Schwur, alles zur Aufklärung beizutragen, so weit wie möglich einzulösen. Er hat es nicht getan.

Und dann ist da noch der Geruch von Schwarzgeld. Da die CDU die 100. 000 Mark, die Schäuble in bar einschob, nicht als Spende verbuchte, bekam Schreiber auch keine Spendenquittung. Und verzichtete damit auf eine Menge Geld. Er wird seine Gründe gehabt haben.

Sein, viel zu spätes, Eingeständnis wird Schäuble das Amt des Parteichefs kosten. Je schneller dies geschieht, umso besser für die CDU.