Kommentar: Demonstration der Dreistigkeit - DER SPIEGEL
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Kommentar Demonstration der Dreistigkeit

Von Rita Kohlmaier
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

War was? Altkanzler Kohl abgemeiert, eine Partei zwischen Trauer und Entsetzen, Tragik und Chaos. Wo die CDU sich in diesen Tagen von Spendenaffäre und Scheidungsszenen erschüttern lässt, bleibt Helmut Kohl der, der er immer war: ein Koloss, der es aussitzt.

Man weiß nicht, was man mehr bestaunen soll: die Nerven oder die Chuzpe, die Helmut Kohl beweist. Einen Tag nach dem spektakulären Show-Down in seiner Partei tritt der 69-Jährige in Hamburg vor der Handelskammer auf, um vor aller Welt den unerschütterten und gut gelaunten Staatsmann zu geben.

Ich und die Welt, ich und die Großen, mein Freund Mitterrand und ich - der Mann lässt nichts aus. Die Fehler der amtierenden Bundesregierung, die Berührungsängste vor dem Euro, die Fehleinschätzung der amerikanischen Außenministerin - Helmut Kohl klärt auf und gibt Noten. Und teilt, im Brustton der Selbstgerechtigkeit, nebenbei mit, dass er um seine "Ehre" kämpfen werde.

Den Ehrenvorsitz hat er seiner Partei empört und beleidigt wieder zurückgereicht. Wer die ominösen Spender waren, die ihn mit Millionen versorgten, will er weiter für sich behalten - mag der Geruch von Leuna auch noch so beißend werden, mögen sich seine einstigen Mitstreiter mit seiner Sturheit auch noch so quälen, mag es der Partei auch noch so schaden.

Die braven CDU-Mitglieder verdienen Mitleid. Der Machtkampf zwischen Kohl und der nächsten Generation ist zwar entschieden. Doch der Alte hat noch längst nicht aufgegeben.