Kommentar Die Tür ist offen
Wolfgang Clement hat gewonnen: Die Schmach der vergangenen Kommunalwahlen in Nordrhein-Westfalen ist vergessen, die SPD kann ihren 34 Jahren Regierungszeit weitere fünf hinzufügen.
Zwar hat die Regierungskoalition aus Sozialdemokraten und Grünen Stimmen verloren, weil manche Wähler das rotgrüne Hickhack um Garzweiler, Flughäfen und Transrapid leid waren und andere gar nicht erst zur Wahl gingen. Auch die Flugaffäre mag die SPD Prozentpunkte gekostet haben.
Doch in NRW zahlt sich nun aus, dass die Schröder-SPD (noch) offener für Bündnisse ist als die neue CDU. In Bund und Ländern kooperiert sie, anders als die Christdemokraten, mal mit Grünen, Schwarzen, Gelben oder Dunkelroten.
Das Ergebnis von Düsseldorf macht nun die Tür auf für das zweite sozialliberale Bündnis nach Rheinland-Pfalz: Zwar muss Clement zunächst mit den Grünen über eine Fortsetzung der Koalition reden. Er kann aber auch, zeitgleich oder nacheinander, mit dem strahlenden Wahlsieger sprechen, der FDP Jürgen Möllemanns.
Und die wäre, Clement macht schon lange keinen Hehl daraus, der SPD lieber - und vielleicht auch besser für das Land.
Denn Clement ist es bisher nur begrenzt gelungen, NRW aus der Alten Wirtschaft in die New Economy zu überführen. Ob Wirtschaftswachstum oder Arbeitslosigkeit - Clements Vorbild als Modernisierer, Bayerns Regierungschef Edmund Stoiber, steht besser da.
Es wäre Land und Leuten zu wünschen, wenn Clement den Strukturwandel beschleunigen könnte - auch wenn ein Duo Clement/Möllemann zu Irritationen auf Bundesebene führen könnte.
Allerdings nur bei den Grünen. Denn Kanzler Schröder kann ein regionales Bündnis mit dem neuen starken Mann der Liberalen nur recht sein. Wer weiss, wozu es bei der nächsten Bundestagswahl gut ist.