"She's A Lady" - mit diesem Hit des "Tigers" Tom Jones ließ Edmund Stoiber seinen Gast Angela Merkel beim CSU-Parteitag in den Saal einziehen. Ob den meisten Delegierten beim stimmungsvollen Einmarsch der CDU-Vorsitzenden auch die Fortsetzung des Liedes - "She's Mine" - aufgefallen ist, dürfte nicht so wichtig sein. Aber Angela Merkel sollte die Botschaft als Warnung verstanden haben.
Die robuste Frau aus dem Norden wurde im Süden mit viel Wärme empfangen, und auch der bayerische Ministerpräsident präsentierte sich als charmanter Gastgeber. Das Thema Kanzlerkandidatur war tabu. Aber mit einem loyalen Partner auf Dauer darf Angela Merkel dennoch nicht rechnen. Denn Stoiber verfolgt offenbar eine Taktik, die einen längeren Atem verlangt. Er weiß, dass im Kampf gegen Rot-Grün um die Macht in Berlin nur eine starke Union eine Chance hat. Ihm kann deshalb nicht daran gelegen sein, Angela Merkels Position in der Schwesterpartei schon jetzt zu schwächen.
Denn Ruhe wird in der CDU ohnehin nicht so schnell einkehren. Dafür sind zum einen Fraktionschef Friedrich Merz oder auch Hessens Ministerpräsident Roland Koch mit ihren Ansprüchen nach mehr Macht zu ambitioniert. Zum anderen wird auch die Auseinandersetzung mit dem Erbe Helmut Kohls sowohl den treuen Anhängern des Altkanzlers als auch den Erneuerern viel Kraft abverlangen. Unbeschadet dürfte niemand diesen Kampf überstehen.
Edmund Stoiber kann in dieser Zeit in aller Ruhe seine Position mit einer gefestigten und starken CSU manifestieren und sich als unverschlissener Herausforderer von Gerhard Schröder präsentieren. Spätestens im Jahre 2002 wird Angela Merkel wieder an das alte Lied des "Tigers" denken.