Vor genau einer Woche drückte Gerhard Schröder noch Franz Beckenbauer die Daumen, als dieser erfolgreich versuchte, die Fußball-Weltmeisterschaft nach Deutschland zu holen. Beim Showdown um die Steuerreform im Bundesrat konnte der Regierungschef auf eine solch publikumswirksame Unterstützung verzichten. Denn wie der "Kaiser" hatte der Kanzler die Hausaufgaben schon vorher gemacht. Mit dem Angebot seines Finanzministers Hans Eichel, den Spitzensteuersatz zu senken, zog er die noch schwankenden Länder auf seine Seite.
Für diesen Erfolg musste zwar Schröder eine Kröte schlucken, weil er der PDS in Mecklenburg-Vorpommern für ihr Ja zum Steuerpaket die künftige Beteiligung an Konsensgesprächen versprach. Was der Wähler davon hält, wird sich zeigen. Aber der Triumph über die neuen Machthaber in der Union war dem Machtmenschen Schröder dieses Opfer offenbar wert. Denn so aggressiv und selbstsicher CSU-Chef Edmund Stoiber und vor allem der neue Fraktionschef Friedrich Merz in den Debatten um das Eichel-Paket auftraten, so machtlos müssen sich beide jetzt fühlen.
Denn der Bundesrat, das einzige Mittel der Opposition, um der rot-grünen Regierung das Leben schwer zu machen, ist zu einem zahnlosen Löwen geworden. Merz und auch die neue CDU-Chefin Angela Merkel, die zu Helmut Kohl auf Distanz gegangen sind, müssen erkennen, dass der Altkanzler offenbar auch in der Länderkammer immer noch Schatten wirft. Denn zu den Ja-Sagern von Schröder und Eichel gehörte auch das kleine Bremen, dessen CDU sich bis zuletzt zierte, zu Kohl Abstand zu halten. Eine Abmahnung von der Weser.
Ernst nehmen wird Schröder den Oppositionsführer Merz jetzt noch weniger als zuvor. Das letzte große Polit-Schauspiel in Bonn war deshalb vielleicht schon wieder der Anfang vom Ende für M&M, das einstige Newcomer-Duo Merz und Merkel.