Kommentar Liebe macht blind
Schon nach dem ersten Bericht über den Sommerurlaub Scharpings, bei dem er sich medientauglich mit Freundin auf Mallorca in Pool und Sonne aalte, stöhnten Freund und Feind unüberhörbar über so viel Dickfelligkeit. Immerhin schnürten gleichzeitig Hunderte Bundeswehrsoldaten ihre Rucksäcke, um für den gefährlichen Einsatz in Mazedonien bereit zu sein. Und manch einer hat seinen Urlaub unterbrechen müssen.
Das tat der Minister auch, allerdings weit luxuriöser: Scharping ließ sich zwischen zwei politischen Auftritten in Berlin (Bundestagsabstimmung) und in Mazedonien (Schulterklopfen) von der Flugbereitschaft der Bundeswehr für eine Nacht zurück nach Mallorca zur Herzallerliebsten jetten. Juristisch absolut gedeckt; aber politisch nach den Querelen um die Pool-Party eine weit offene Flanke. Hat der Mann eigentlich keine PR-Berater?
Falsche Taktik, Herr Minister! Oder vielleicht doch die richtige Strategie? Immerhin hat er in der Partei das erreicht, was zu erreichen war. Kanzler wird er nicht mehr. Und als Verteidigungsminister muss er sich dem Spardiktat von Finanzchef Hans Eichel beugen. Ein freudloses Dasein, das mit der frischen Liebe zu Gräfin Pilati sicher nicht konkurrieren kann.
Doch Kalkül steckt nicht hinter der Selbstdemontage. Der stramme Parteisoldat von früher menschelt einfach. Offenbar haben sich seine Werte verschoben. Liebe macht eben blind - auch Politiker.