Kommentar Verdient Schäuble jetzt Respekt?
Nein, da mögen sie ihren Respekt noch so sehr beteuern, das wird er nicht. Wolfgang Schäuble hat im Parlament gelogen, und er hat auf Pressekonferenzen in die Kameras gelogen. Er hat Geld von jemandem eingesteckt, den er selbst eine "dubiose Figur" nennt, und er hat sich einen Teufel darum gekümmert, ob dieses Geld ordentlich verbucht wurde. Er hat bröckchenweise die Wahrheit eingestanden, und er hat mit seiner Parteikollegin Baumeister eine beispiellose Groteske um die Frage aufgeführt, wer wann einen Umschlag von Schreiber einschob. Alles unter dem Etikett des "Aufklärers", das er sich selbst verpasst hatte.
Vor allem aber hat Schäuble in den vergangenen Wochen eine gespenstische Auffassung von Krisenmanagement bewiesen. Und dies war es wohl, was ihm die Partei am Ende nicht mehr verziehen hat. Zwei Landesverbände im Wahlkampf, die von guten Startpositionen in den Keller rutschten - da hielten Solidarität und Durchhaltewille nicht lange vor. Es war für die CDU in Nordrhein-Westfalen, wo im Mai gewählt wird, eine der letzten Chancen, den Neuanfang zu beweisen und so das Ruder vielleicht noch einmal herumzureißen. Für Volker Rühes CDU in Schleswig-Holstein kommt der Befreiungsschlag wohl zu spät.
Und auch deshalb ist Schäuble kein Ehrenmann: Er ist nicht zurückgetreten, weil er Mist gebaut hat und einsah, dass man mit der Hypothek nicht eine Partei führen kann, dass man von Verantwortung nicht nur reden, sondern dass man sie auch übernehmen muss. Nein, er ist zurückgetreten, weil die Fraktion ihn nicht mehr haben wollte. Weil die Enttäuschten und diejenigen, die sich noch eine politische Zukunft ausrechnen, gegen ihn geputscht haben.
Dass Schäuble jetzt aufgab, mag der Partei dienen und ihn persönlich erleichtern. Dass er über Wochen keinen Anlass für einen Rücktritt sah, hat die politische Kultur beschädigt.