Fall Edathy Das BKA-Problem
BKA-Zentrale in Wiesbaden: Wo nicht aufgeklärt wird, kommen immer neue Fragen
Foto: Fredrik Von Erichsen/ dpaIm schönen Wiesbaden steht das Bundeskriminalamt, und dessen Mitarbeiter verstehen sich selber als Teil einer Elite-Polizeibehörde. Auch in der Öffentlichkeit wird es so wahrgenommen, die Kriminalen genießen großes Vertrauen. Der Chef der Behörde, Jörg Ziercke, hat einen guten Ruf. Nun muss man sich ernsthaft fragen: wie lange noch?
Die SPIEGEL-Enthüllung, dass auch ein leitender Beamter der Behörde in den Kinderporno-Sumpf verstrickt war, ist ein weiteres Zeichen, dass hier ziemlich viel nicht zusammenpasst. In der Affäre um den Bundestagsabgeordneten Sebastian Edathy stand Ziercke stundenlang vor dem Innenausschuss Rede und Antwort, doch auf den Fall im eigenen Laden ging er nicht ein. Wie kann das sein?
Man kann verstehen, dass ein Chef Mitarbeiter schützen will. Es ist auch nachvollziehbar, dass Ermittler zur Geheimnistuerei neigen. Doch in Sachen Edathy ist längst maximale Transparenz gefragt. Ein Minister musste zurücktreten, das Vertrauen in den Rechtsstaat steht auf dem Spiel. Politik und Sicherheitsbehörden stehen unter Mauschelverdacht. Wer da eine Salamitaktik verfolgt, also nur Dinge zugibt, nach denen auch jemand fragt, macht sich weiter verdächtig.
Wer steht da womöglich noch alles auf der Liste?
Zwei Jahre lang lag die Liste aus Kanada mit dem Namen Edathy im BKA vor. Doch niemand will ihn darauf entdeckt haben. Den Namen des eigenen Mannes, fand man aber sehr wohl. Anschließend wurde der Fall des BKA-Mannes still und heimlich abgewickelt.
Edathys Name soll erst nach der Bundestagswahl entdeckt worden sein. Ist es wirklich glaubwürdig, dass Kriminalbeamte in einer Elite-Behörde den Namen des langjährigen Vorsitzenden des Innenausschusses nicht kennen? Ja, fragt man sich, lesen die denn keine Zeitung?
Wo nicht aufgeklärt wird, kommen immer neue Fragen. Wer steht da womöglich noch alles auf der Liste? Wurde der Fall Edathy womöglich aus politischen Gründen zwei Jahre lang unter der Decke gehalten. Und falls ja, zu wessen Nutzen?
Die Große Koalition würde den Fall Edathy am liebsten schnell abwickeln. Aber Durchwurschteln geht nicht mehr. Am Ende kommt alles raus. Das sollten auch Ziercke und Co. wissen und sich endlich ehrlich machen. Und zwar richtig.