Kriegsverbrechen Moslem-Offiziere vor Gericht
Den Haag - Bei ihrer ersten Vorführung vor dem Uno-Kriegsverbrechertribunal wurden ihnen Ermordung, Misshandlungen und inhumane Gefangenschaft von Zivilisten und kriegsgefangenen Serben und Kroaten aus Bosnien 1993/94 zur Last gelegt. Damit sollen sie gegen das Kriegsvölkerrecht und gegen die Genfer Konventionen von 1949 verstoßen haben. Ohne sichtbare Reaktion auf die Schwere der Anschuldigungen wiesen die zivil gekleideten Angeklagten alle Vorwürfe zurück.
Die beiden Ex-Generäle Enver Hadzihasanovic, 51, und Mehmed Alagic, 54, sowie Oberst Amir Kubura, 37, waren am vorigen Samstag von Bosnien-Herzegowina nach Den Haag ausgeliefert worden. Hadzihasanovic und Alagic, die nacheinander das Dritte Armeekorps der bosnischen Moslem-Streitkräfte geführt hatten, haben bereits auf Anordnung des Gerichts als sachverständige Zeugen bei Prozessen in Den Haag ausgesagt.
Kubura war in der fraglichen Zeit innerhalb des Dritten Korps Kommandeur einer Moslem-Brigade, zu der Freiwillige aus verschiedenen islamischen Ländern gehörten. Die Kämpfer hätten sich als "Mudschaheddin" verstanden, die einen "Heiligen Krieg" (Dschihad) führen wollten, heißt es in der Anklage. Als deren Vorgesetzte werden die bosnischen Offiziere für die einzeln aufgeführten Verbrechen verantwortlich gemacht. Sie hätten von den Delikten wissen und sie verhindern können oder Verantwortliche zur Rechenschaft ziehen müssen, heißt es in der Anklageschrift.
Im Verantwortungsbereich der Offiziere seien Zivilisten oder kriegsgefangene Soldaten totgeprügelt, enthauptet oder anderweitig ermordet, schwer misshandelt und unter menschenunwürdigen Umständen gefangen gehalten worden. Zivile Häftlinge seien zudem als menschliche Schutzschilde eingesetzt und zu Arbeiten in gegnerischem Feuer gezwungen worden. Auch Plünderungen von Wohnungen, deren unnötige Zerstörung und die Vernichtung von Gotteshäusern werden ihnen angelastet. Wann der Prozess beginnt, ist noch nicht bekannt.