Lambsdorff über Möllemann: "Ist der normal?" - DER SPIEGEL
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Lambsdorff über Möllemann "Ist der normal?"

Immer mehr Politiker der Liberalen gehen auf Distanz zu Jürgen Möllemann. Der FDP-Ehrenvorsitzende Otto Graf Lambsdorff hat offensichtlich sogar Zweifel am Geisteszustand des zurückgetretenen Vizechefs seiner Partei.
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Hamburg - Lambsdorff unterstützte die Forderung, Möllemann müsse auch als Landeschef der nordrhein-westfälischen FDP abtreten. Im DeutschlandRadio Berlin sagte er, Möllemann habe den Wahlkampf der Liberalen zerstört und die Bundesrepublik möglicherweise um einen Politikwechsel gebracht. Es sei nicht nachvollziehbar, dass Möllemann einerseits seinem Parteichef Guido Westerwelle eine Zusammenarbeit anbieten und andererseits im Magazin "Stern" die Führungsarbeit kritisieren konnte, sagte Lambsdorff. "Man fragt sich manchmal: Ist der Mann bei all seiner Begabung, bei all seinem politischem Geschick, ist der normal?"

Falls es Möllemann gelänge, seinen Posten zu behalten, wäre Westerwelle in seiner Stellung als Parteivorsitzender geschwächt, sagte Lambsdorff, der Möllemann als "tickende Zeitbombe" bezeichnete. "Was wir jetzt erlebt haben, hat der Partei so schwer geschadet, dass eine weitere Zusammenarbeit zwischen den beiden nicht möglich ist."

Nach Angaben des "Stern" soll Möllemann über Westerwelle gesagt haben: "Er hat schwere strategische Fehler gemacht und sich nicht getraut, Führung zu zeigen, Themen zu setzen und die dazu passenden Figuren nach vorn zu schieben... Westerwelle ist einfach zu dünn." Möllemann dementierte erneut: "Dieses Zitat ist nicht von mir. Es ist frei erfunden." Er halte dies für "vollkommen unverantwortlich" und erwarte eine Klarstellung von dem Magazin.

Möllemann-Herausforderer Pinkwart optimistisch

"Stern"-Autor Hans-Peter Schütz blieb bei seiner Darstellung. Er habe sich am 6. September mit Möllemann in Düsseldorf zu einem Mittagessen getroffen. Bei diesem Gespräch sei das Zitat gefallen. In der Berliner FDP-Führung hieß es, Westerwelle habe keine Zweifel, dass der "Stern" Möllemann korrekt wiedergegeben habe. Westerwelle sei zutiefst enttäuscht und entsetzt darüber, "dass jemand die menschliche Basis der Zusammenarbeit in dieser Weise zerstört".

Möllemann war auf Forderung des Parteipräsidiums nach der für die FDP enttäuschenden Bundestagswahl als stellvertretender Vorsitzender der Liberalen zurückgetreten. Hauptkritikpunkt war Möllemanns kurz vor der Wahl mit Flugblättern erneut gestartete antiisraelische Kampagne. Gegen den Widerstand Westerwelles will er FDP-Landeschef in NRW bleiben und stellt sich am 7. Oktober bei einem Sonder-Landesparteitag einer Kampfabstimmung gegen seinen Stellvertreter, den Wirtschaftswissenschaftler Andreas Pinkwart.

In diesem Zusammhang distanzierten sich auch seine Stellvertreterin im Landesvorsitz, Ulrike Flach, und das FDP-Präsidiumsmitglied Birgit Homburger von Möllemann. Das Versöhnungsangebot Möllemanns an Westerwelle sei ein taktisches Manöver, sagte Homburger. Es sei nur der Versuch, "sich vor dem Sonderparteitag in Nordrhein-Westfalen eine günstige Ausgangsbasis zu schaffen", sagte Homburger dem Konstanzer "Südkurier".

Flach sagte nach dem "Stern"-Artikel, sie werde auf dem Sonderparteitag Pinkwart unterstützen. "Es ist an der Zeit, einen Neuanfang zu wagen." Am Montag hatte Flach Möllemann noch mit den Worten unterstützt: "Die Basis liebt ihn." Pinkwart selbst gibt sich gute Chancen, Möllemann abzulösen. "Die FDP muss aus dem Zwielicht raus und eine weltoffene und tolerante Partei in der Mitte bleiben. Wir brauchen jetzt den Neuanfang", sagte er der "Rhein-Zeitung".