Schulz über Schröders Rosneft-Posten "Ich würde das nicht tun"
Martin Schulz
Foto: Michael Kappeler/ dpaSPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz hat sich auf Facebook von den Plänen des Ex-Regierungschefs Gerhard Schröder distanziert. Schröder steht auf einer Liste mehrerer Kandidaten für den Posten eines "unabhängigen Direktors" beim Ölkonzern Rosneft. "Ich würde das nicht tun", schrieb Schulz auf Facebook.
"Für mich ist klar: Auch nach meiner Zeit als Bundeskanzler werde ich keine Jobs in der Privatwirtschaft annehmen." Die Entscheidung für einen solchen Posten sei Schröders Privatsache und habe mit der Politik der SPD nichts zu tun. "Gerd Schröder ist erfahren genug zu wissen, welche Angebote er annimmt."
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Schon zuvor hatte SPD-Generalsekretär Hubertus Heil beschwichtigt - schließlich kommt diese Nachricht der SPD sechs Wochen vor der Bundestagswahl ungelegen. Es müsse sich noch zeigen, ob es tatsächlich zu dieser Personalie komme, sagte Heil. "In allererster Linie ist es eine persönliche Entscheidung von Gerhard Schröder."
Rosneft-Chef Igor Setschin gilt als enger Vertrauter von Präsident Wladimir Putin, zu dem Schröder freundschaftliche Beziehungen pflegt (Lesen Sie hiermehr über den Rosneft-Chef).
Die Wahl zum Rosneft-Aufsichtsrat, die nach Einschätzung von Experten als Formalie gilt, ist russischen Medienberichten zufolge für den 29. September geplant. Das Ölunternehmen steht nach der russischen Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim 2014 auf der Sanktionsliste der EU.
Schröder kritisiert Medien für Berichterstattung
"Ich habe den Eindruck, das hat weniger mit meiner Tätigkeit zu tun als vielmehr mit dem Wahlkampf. Hier soll offenbar Frau Merkel geholfen werden", sagte der Ex-Kanzler Schröder dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). In dem RND-Interview kritisierte er einen Bericht der "Bild"-Zeitung.
Dort heißt es unter Berufung auf den Geschäftsbericht 2016, dass Rosneft seinen neun Vorstandsmitgliedern rund 52 Millionen Euro an Gehältern, Boni und Zuschüssen gezahlt habe. Das seien fast sechs Millionen pro Person.
Für die für ihn vorgesehene Rolle würde er weniger als ein Zehntel der genannten Summe erhalten, falls er gewählt werde. Das bedeutet: weniger als 600.000 Euro pro Jahr. "Das ist ja noch überhaupt nicht entschieden", sagte Schröder.
Der frühere Bundeskanzler hat bereits enge Verbindungen zur russischen Wirtschaft: Seit 2005 ist er Vorsitzender des Aktionärsausschusses beim Betreiber der Ostsee-Gas-Pipeline Nord Stream, an dem wiederum der russische Staatskonzern Gazprom die Mehrheit hält.