Mazedonien Scharping bereitet Truppen-Verstärkung vor
Skopje/Brüssel - In Deutschland stehen nach Angaben von Verteidigungsminister Rudolf Scharping (SPD) die "notwendigen Verstärkungskräfte" der Bundeswehr bereit, um bei einer weiteren Eskalation im mazedonischen Tetovo ihren Kameraden zu Hilfe zu kommen. Auch könnten weitere Leopard-Panzer und Schützenpanzer Marder aus dem Kosovo die deutschen Einheiten in Mazedonien unterstützen, sagte der Minister am Montag.
Scharping stimmte nicht der Einschätzung des Uno-Sondergesandten für den Balkan, Carl Bildt, zu, der den bewaffneten Konflikt in Mazedonien bereits als "Krieg" bezeichnet hatte. Er sprach jedoch von "kriegsähnlichen Zuständen". Deshalb müssten sämtliche Kräfte gebündelt werden, um eine Eskalation zu verhindern. Die Regierung müsse "sichtbar" unterstützt werden, um die Situation zu stabilisieren.
Beherrschbares Risiko
"Im Augenblick ist das Risiko für uns beherrschbar", sagte Scharping auch mit Blick auf die deutschen Soldaten in der Region. Deren Stimmung sei von gespannter Aufmerksamkeit gekennzeichnet, aber ohne jede Aufregung. Pläne, die deutschen Soldaten aus Tetovo abzuziehen, gebe es nicht, allerdings werde schon seit längerem über Alternativen für den Versorgungsweg über Mazedonien nachgedacht. So könnte man den Nachschub künftig auch über den Flughafen Pristina im Kosovo abwickeln. Mit Nachdruck unterstrich Scharping: "Wir sind fähig und willens, die Sicherheit unserer Soldaten zu gewährleisten."
Die Zwischenfälle in Mazedonien zeigten deutlich, wie notwendig ein längerfristiges europäisches Engagement auf dem Balkan nach wie vor sei, betonte Scharping. Allerdings könne die Europäische Union nicht an Stelle der mazedonischen Regierung für stabile Verhältnisse sorgen. Skopje müsse selbst Verantwortung übernehmen, das Ausland könne dabei jedoch im Rahmen des Möglichen behilflich sein.
Putin sieht Lage außer Kontrolle
Nach Einschätzung des russischen Präsidenten Wladimir Putin ist die Lage in Mazedonien durch die Angriffe albanischer Rebellen außer Kontrolle geraten. "Erst wurden die Gruppen der albanischen Separatisten bewaffnet, und heute weiß niemand, wie man mit ihnen umgehen soll", sagte Putin bei einer Regierungssitzung am Montag in Moskau.
Militärische Aktivitäten
Um die mazedonische Grenzstadt Tetovo tobten am Montagmorgen erneut heftige Kämpfe zwischen albanischen Rebellen und mazedonischen Sicherheitskräften. Die albanischen UCK- Freischärler haben sich in sechs Stellungen verschanzt und beschießen die Stadt. Einige Häuser seien in Brand geschossen worden, meldete der Belgrader Sender B 92. Die mazedonische Armee brachte in der Nacht Panzer und schwere Artillerie nach Tetovo. Beobachter rechneten mit einer Verschärfung der Kämpfe. In der Nacht hatten die Behörden über Tetovo eine nächtliche Ausgangssperre verhängt.
Der mazedonische Ministerpräsident Ljupco Georgijevski machte führende Kosovo-Albaner für die "Aggression" gegen Mazedonien verantwortlich. Die Krise werde von den Kosovo-Albanern "organisiert" und geschürt, sagte Georgijevski am Sonntagabend in einer Fernsehansprache an die Bevölkerung.
Der mazedonische Außenminister Srdjan Kerim wird an diesem Montag in Brüssel zum Treffen der EU-Außenminister erwartet. Die Nato hat betont, sie sei von Mazedonien nicht um Unterstützung gegen die albanische Untergrundarmee UCK gebeten worden. Der Weltsicherheitsrat versprach Skopje Hilfe anlässlich der Kämpfe.