Medien: Schröder beharrt auf "Bild"-Boykott - DER SPIEGEL
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Medien Schröder beharrt auf "Bild"-Boykott

Gerhard Schröder bleibt dabei: Die "Bild"-Zeitung bekommt keine Interviews mehr. Der Deutsche Journalistenverband warf dem Kanzleramt unterdessen "mimosenhafte Informationswillkür" vor.
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Berlin - Regierungssprecher Bela Anda betonte, dass ihm zwar an einer "fairen Zusammenarbeit" mit der Bundespressekonferenz gelegen sei. Den Ausschluss der "Bild"-Zeitung von Interviews begründete er aber damit, dass man "von dem Kakao, durch den man gezogen wird, nicht auch noch trinken muss". Von einem Boykott der Springer-Zeitung könne aber nicht die Rede sein. Jedem Politiker stehe es frei, wem er Interviews geben wolle.

Für Kanzlerreisen gelte eine Ausgewogenheit der Medien, sagte Anda zu dem Vorwurf von "Bild"-Journalisten, sie würden unter dem Vorwand des Platzmangels nicht eingeladen. Dabei werde von Fall zu Fall entschieden, wer mitgenommen werde. "Bild"-Journalisten seien von Juli 1999 bis Januar 2004 bei 25 Reisen des Bundeskanzlers mit an Bord gewesen. Kein anderes Medium könne auf eine höhere Teilnahme verweisen, sagte Anda.

Den "Bild"-Korrespondenten werde "jede andere Form des Informationszugangs gewährt". Für Kanzlerreisen gebe es jedoch "keine Garantie und keinen Anspruch auf Mitreise", sagte Anda. Bei Kapazitätsengpässen bestehe auch die Möglichkeit für Medien, mit ihren Korrespondenten vor Ort bei den Presseveranstaltungen im Ausland vertreten zu sein. Anda kündigte ein Gespräch mit dem Vorstand der Bundespressekonferenz über die künftige Form der Zusammenarbeit an.

Trotz der Kritik an ihm wähnt sich Anda sicher auf seinem Posten. Die Frage, ob er das Sprachrohr des Bundeskanzlers bleibe, beantwortete Anda kurz und bündig mit "Ja". Seit Wochen wird über seine Ablösung spekuliert. Schröder soll angeblich unzufrieden mit ihm sein. Der Deutsche Journalistenverband (DJV) sprach in einem Schreiben an Anda von "mimosenhafter Informationswillkür". DJV-Chef Michael Konken bezeichnete die Ausladung von Journalisten als "eklatanten Verstoß gegen die Pressefreiheit und die Informationspflicht". Sie lasse auf ein arrogantes Verständnis der Regierung zur Informationspflicht schließen.

"Medien sind nicht der Spielball der Politik", sagte Konken. Immer dann, wenn Menschen Regierungspolitik kritisch hinterfragten, werde den Medien der Schwarze Peter zugeschoben, um von eigenen Unzulänglichkeiten in der Öffentlichkeitsarbeit abzulenken. Ausgeschlossenen Medien empfahl der DJV, die zuständigen Gerichte anzurufen, um ihren Auskunftsanspruch durchzusetzen.