News: Flüchtlinge, Griechenland, Coronavirus, Italien, MH-17 - DER SPIEGEL
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Philipp Wittrock

meinung •Die Lage am Morgen Kommen jetzt die Geisterspiele?

Philipp Wittrock
Von Philipp Wittrock, Leiter des SPIEGEL-Hauptstadtbüros

Liebe Leserin, lieber Leser, guten Morgen!

Heute geht es um die Folgen der Flüchtlingskrise an der türkisch-griechischen Grenze, um das Coronavirus und den Prozess um den Abschuss von Flug MH17 über der Ukraine.

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Heute geht es um die Folgen der Flüchtlingskrise an der türkisch-griechischen Grenze, um das Coronavirus und den Prozess um den Abschuss von Flug MH17 über der Ukraine.

Krisengipfel in Brüssel und Berlin

Das hatte sich Ursula von der Leyen anders vorgestellt. 100 Tage ist die EU-Kommissionspräsidentin im Amt, und eigentlich wollte sie in dieser Zeit vor allem über den Klimaschutz reden.

Doch seit der türkische Präsident die Grenze nach Griechenland geöffnet hat, gibt es hässliche Bilder von den Rändern der EU: Flüchtlinge zwischen Stacheldraht, Wasserwerfern und Tränengas. In den überfüllten Lagern auf den griechischen Inseln hausen die Menschen derweil unter unwürdigsten Bedingungen, Rechtsradikale machen Jagd auf Helfer und Journalisten, am Wochenende brannte ein Flüchtlingszentrum.

Wenn von der Leyen am Vormittag in Brüssel ihre 100-Tages-Bilanz ziehen wird, dann werden sich die Nachfragen vor allem um diese hässlichen Bilder drehen. Zumal sie wenig später Recep Tayyip Erdogan treffen muss.

Es wird kein angenehmes Gespräch: Die Europäer wollen, dass Erdogan sich wieder an das EU-Türkei-Abkommen hält und seine Grenze schließt. Erdogan will mehr Geld. Und für jeden Euro, den der Präsident zusätzlich versprochen bekommt, wird sich die EU vorwerfen lassen müssen, der Erpressung Erdogans nachgegeben zu haben. Dabei ist klar: Wenn Europa erwartet, dass die Türkei weiterhin Millionen von Flüchtlingen versorgt, dann muss es mehr helfen als bisher.

Die verfahrene Lage zeigt: Europa hat nichts gelernt aus den Ereignissen 2015 - außer mantramäßig zu betonen, dass sich 2015 nicht wiederholen dürfe. Der Deal mit der Türkei hat die Probleme nur verdrängt, der Kontinent ist in der Migrationspolitik weiter gespalten und anfällig für Erdogans zynische Spielchen.

In Berlin ringt die Koalition um die Balance zwischen Ordnung und Humanität, die Union fürchtet die AfD und die Grünen , die SPD sich selbst. In der Nacht konnten sich die Koalitionsspitzen immerhin darauf einigen, kranke Kinder und Jugendliche sowie unbegleitete Kinder unter 14 Jahren aus den Lagern auf den griechischen Inseln aufzunehmen. Wie viele genau und in welchem Zeitraum, blieb offen. Einen deutschen Alleingang soll es jedenfalls nicht geben, man sei bereit, im Rahmen einer "Koalition der Willigen" auf europäischer Ebene "einen angemessenen Anteil" von insgesamt 1000 bis 1500 Kindern zu übernehmen, heißt es.

Es kann nur ein Anfang sein. Am Nachmittag muss Kanzlerin Angela Merkel dem griechischen Ministerpräsidenten Kyriakos Mitsotakis, der in Berlin zu Gast ist, erklären, warum Deutschland sich nicht in der Lage sieht, großzügiger zu helfen.

  • Wie Europa in der Flüchtlingskrise an den eigenen Ansprüchen scheitert - der SPIEGEL-Leitartikel

Das Virus und der Fußball

Große Derbys stehen an in der Fußball-Bundesliga. Am Mittwoch das Nachholspiel Borussia Mönchengladbach gegen den 1.FC Köln, am Samstag Borussia Dortmund gegen Schalke 04. Mich persönlich interessiert das Spiel Fortuna Düsseldorf gegen Paderborn am Freitag viel mehr, aber egal, große Stimmung wird wohl nirgends aufkommen.

Denn die nordrhein-westfälische Landesregierung hat bereits angekündigt, der Empfehlung des Bundesgesundheitsministers zu folgen und Großveranstaltungen mit mehr als 1000 Teilnehmern abzublasen, um die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus einzudämmen. Für die Bundesliga - und etliche andere Sportarten bedeutet das: Geisterspiele, Wettkämpfe ohne Publikum.

Bringt das was? Wenn es darum geht, die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen, ist es zumindest konsequent. Messen, Konzerte, Konferenzen wurden zuletzt schon in Serie abgesagt, nur beim Fußball ging es zu, als wären die Stadien keimfreie Oasen. Wahrscheinlich hamsterte mancher Fan morgens noch Nudeln und Klopapier, um nachmittags Gleichgesinnten in der Kurve um den Hals zu fallen.

Die Frage ist, wie lange die Publikumsverbannung durchgehalten werden muss, schließlich breitet sich das Virus gerade massiv aus. Die DFL hat schon klargemacht, dass sie den Spielplan bis Mitte Mai durchziehen will, auch weil im Juni schon die EM beginnt. Geht es am Ende um die Deutsche Geisterschaft?

Im Vergleich zu Norditalien, wo in weiten Teilen Millionen von Menschen per Dekret in der roten Zone leben, sind die Maßnahmen in Deutschland bisher moderat. Aber auch jene Bürger hierzulande, die bisher immun gegen sämtliche Ausprägungsstufen des Besorgtseins waren, bekommen nun die Auswirkungen zu spüren

In der Wirtschaft ist die Angst längst groß. In der Nacht beschloss der Koalitionsgipfel Maßnahmen, um die ökonomischen Virusfolgen abzufedern. So sollen die Hürden für den Bezug von Kurzarbeitergeld deutlich sinken. Firmen, die besonders unter den Auswirkungen des Virus leiden, will die Bundesregierung notfalls finanziell unterstützen. Außerdem wird ein milliardenschweres Investitionspaket geschnürt.

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Wer holte Flug MH17 vom Himmel?

298 Menschen starben, als Flug MH17, unterwegs von Amsterdam nach Kuala Lumpur, am 17. Juli 2014 über der Ostukraine abgeschossen wurde - mit einer russischen Flugabwehrrakete. Am Montag beginnt im Justitieel Complex Schiphol der Prozess gegen drei Russen und einen Ukrainer. Die Männer gehörten zur Armee der "Donezker Volksrepublik" die 2014, von Russland unterstützt, gegen die ukrainische Armee kämpfte. Sie sollen die Buk-Raketen in Stellung gebracht haben. Die Anklagebank wird leer bleiben, die Verdächtigen müssen keine Auslieferung aus Russland fürchten. Am Ende geht es ohnehin nicht allein um die Verantwortung einzelner Personen, sondern um die Frage, wie weit die Richter die Befehlskette offenlegen können. Um die Frage: Welche Schuld trägt der russische Staat, der die Ermittlungen konsequent behindert hat?

Das Missverständnis des Tages…

… hat sich der Fernsehsender Yol TV geleistet. Der alevitische Sender hatte berichtet, der russische Außenminister Sergej Lawrow habe dem türkischen Präsidenten Erdogan am vergangenen Donnerstag in Moskau eine Liebeserklärung gemacht. Beim Begrüßungs-Smalltalk raunte Lawrow Erdogan auf Englisch demnach zu: "I love you, Tayyip." Ein über Twitter verbreitetes Video sollte das belegen. Das russische Außenministerium stellte am Wochenende klar, Lawrow habe lediglich Erdogans Krawatte gewürdigt: "I love your tie."

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Ich wünsche Ihnen einen guten Start in die Woche.

Ihr Philipp Wittrock