Die Lage am Morgen Was taten eigentlich SPIEGEL-Redakteure unter Hitler? Waren welche in der SS?
NSDAP, SS, Propagandakompanie: Die Nazikarrieren früher SPIEGEL-Mitarbeiter
Alle Stimmen für den Krieg: In Russland beginnt eine Wahl ohne Opposition
Horrorherrschaft der KI: Ein ehemaliger OpenAI-Forscher warnt vor dem Dritten Weltkrieg
Sagen, was war
Selten hat ein Thema unsere Leserschaft so intensiv interessiert wie die Frage, ob und wie die eigenen Vorfahren mit dem nationalsozialistischen Regime verstrickt gewesen sind. Seit Monaten steht unsere Nazi-Datenbank auf der SPIEGEL-Homepage (hier geht es zur Suchfunktion). Da liegt es nahe, auch einmal genauer in der Vergangenheit der SPIEGEL-Redaktion nachzuforschen. Meine Kollegen Martin Doerry und Hauke Janssen tun das in ihrer neuen Augstein-Biografie. Ihr Buch erscheint nächste Woche, bei uns sind jetzt schon Auszüge zu lesen.
SPIEGEL-Ressortleiter Horst Mahnke, 1953
Foto: DER SPIEGELIhre Recherchen sind nicht schmeichelhaft für den SPIEGEL. Es war zwar schon bekannt, dass in den ersten Jahren auch Altnazis für unser Magazin gearbeitet haben. Aber die Menge der Mitarbeiter aus der Anfangszeit, die vorher Mitglieder der NSDAP waren, die in Propagandakompanien gearbeitet haben und die teilweise auch in der SS und der Waffen-SS gewesen sind, hat mich doch überrascht. Mit Befremden habe ich in der Geschichte meiner Kollegen lesen müssen, dass im SPIEGEL damals auch eindeutig antisemitische Texte erscheinen konnten. Und dass unser Herausgeber Rudolf Augstein offenbar lange nichts dagegen hatte: Er hat viele der Altnazis eingestellt.
»Augstein verhielt sich im Umgang mit dem nationalsozialistischen Erbe nie konsequent«, schreiben die Kollegen. Einerseits holte er NS-Belastete in die Redaktion, weil er sich von ihnen Expertenwissen erhoffte. Andererseits kritisierte der SPIEGEL immer wieder Parteien, Regierungen und Behörden, die alte Nazis in ihre Ämter und Posten zurückkehren ließen.
Ich bin Martin Doerry und Hauke Janssen dankbar für ihre Recherche. Denn als SPIEGEL-Redaktion sind wir der Wahrheit verpflichtet. Und dazu gehört auch die Wahrheit über die Vergangenheit des SPIEGEL.
Die ganze Geschichte hier: »Haben Sie Juden umgebracht?«
Von wegen wahlberechtigt
Wenn hier von Russland im Zusammenhang mit Wahlen die Rede ist, dann geht es meistens um die verdeckten Versuche russischer Geheimdienste, mit Fake News und Social-Media-Kampagnen die demokratischen Prozesse bei uns zugunsten Putin-freundlicher Parteien zu beeinflussen (mehr dazu hier).
Heute ist es mal anders, denn ab heute und bis einschließlich Sonntag wird in Russland über die neue Staatsduma abgestimmt. Da braucht es für ein Putin-freundliches Ergebnis gar keine klandestinen Operationen, das läuft ganz offen, und von einer Demokratie kann auch keine Rede sein: Nachdem die Antikriegspartei Jabloko ausgeschlossen worden ist, können die Menschen – Wahlberechtigte kann man sie ja kaum noch nennen – ausschließlich Parteien ankreuzen, die auf der Linie des Kreml liegen.
Vorgezogene Stimmabgabe in der russischen Republik Chakassien, 17. September 2026
Foto: Ilya Naymushin / Sputnik / IMAGODer Vizevorsitzende von Jabloko ist derweil für Kritik am Angriffskrieg zu elf Jahren und einem Monat in einer Strafkolonie verurteilt worden. Die jetzt zur Wahl stehenden Parteien nennen den Überfall stattdessen selbstverständlich wie vorgeschrieben »spezielle Militäroperation«. Und gewinnen wird diese sogenannte Parlamentswahl wie vorgesehen wieder einmal die Putin-Partei Einiges Russland. Mehr muss man eigentlich gar nicht wissen, um jedem, der hierzulande mit einer Partei sympathisiert, die der Ukraine die Unterstützung aufkündigen möchte und wieder Geschäfte mit Wladimir Putin machen will, eine einfache Frage zu stellen: Sag mal, was stimmt nicht mit dir?
Mehr Hintergründe hier: Kremlkritiker Schlosberg zu elf Jahren Haft verurteilt
»Dritter Weltkrieg? Sie lassen nichts aus.«
Falls Sie sich vor dem Wochenende noch einmal so richtig gruseln wollen (mehr dazu hier ), dann empfehle ich Ihnen, das Gespräch zu lesen, das mein Kollege Simon Book mit dem ehemaligen OpenAI-Forscher Daniel Kokotajlo geführt hat. Er ist einer der bekanntesten Experten für die Zukunft der künstlichen Intelligenz und hat von 2022 bis 2024 für OpenAI Prognosen über die Entwicklung der Technologie erstellt.
KI-Forscher Daniel Kokotajlo
Foto: Kelsey Mcclellan / DER SPIEGELIch will das Gespräch hier nicht spoilern, sondern nur ein paar der Fragen zitieren, die der Kollege Book dem Forscher stellt, dann ahnen Sie schon, in welche Richtung die Sache geht.
»Ist das nicht düstere Science-Fiction?«, fragt Simon den Forscher nach seinem Zukunftsszenario.
»Was passiert, wenn die Politik nichts unternimmt?«, hakt er später nach.
Gegen Ende kommentiert Simon: »Dritter Weltkrieg? Sie lassen nichts aus.«
Nein, Daniel Kokotajlo lässt wirklich nichts aus. Und ich kann nur hoffen, dass sich dieser Experte diesmal irrt.
Das ganze Gespräch hier: »Wir müssen die KI-Entwicklung im Wesentlichen abschalten«
Lesen Sie hier den aktuellen SPIEGEL-Leitartikel
Warum es nicht gut ist, rein taktisch zu wählen: Liberale sollen sich in Mecklenburg-Vorpommern dazu durchringen, links zu wählen? Linke sollen den Grünen ihre Stimme geben? Hauptsache, die AfD gewinnt nicht? Das kann keine Lösung sein.
Hier geht’s zum aktuellen Tagesquiz
Noch mehr Rätsel wie Viererkette, Wordle und Paarsuche finden Sie bei SPIEGEL Games.
Gewinner des Tages…
Bundestrainer Jürgen Klopp
Foto: Christopher Neundorf / EPA…ist Jürgen Klopp. Bei der Präsentation seines DFB-Kaders skizzierte der neue Bundestrainer in wenigen, einfachen Worten, wie er dazu beitragen möchte, dass man sich an Deutschland freuen kann, ohne in dumpfen Nationalismus zu verfallen. Das war schon einmal stark. Noch stärker wäre es nur noch, wenn sein Team uns bald mal wieder Grund zu dieser Freude gäbe.
Die ganze Geschichte hier: Was für ein Spaß
Die jüngsten Meldungen aus der Nacht
Spritpreis-Entlastung könnte 21 bis 25 Cent je Liter betragen: Mehrwertsteuersenkung, Preisdeckel oder Übergewinnsteuer? Noch ist unklar, wie die Bundesregierung Bürgerinnen und Bürger bei den Benzinpreisen entlasten wird. Die CDU-Generalsekretärin nennt jedoch bereits konkrete Zahlen.
Irans Delegation darf nach New York reisen – aber nicht einfach so shoppen gehen: Einreise ja, Luxuseinkäufe nein: Die iranischen Vertreter beim Uno-Treffen unterliegen strengen Auflagen. Diese betreffen etwa Schuhe, Kosmetik und Parfüm. Auch beim Shopping im Großhandel könnte es hakelig werden.
Kennedy garantiert Impfgegnern »einen Freund im Weißen Haus«: Immer wieder fällt Robert F. Kennedy mit wirren Aussagen zu Vakzinen auf. Zuletzt stand der US-Gesundheitsminister bei einem Treffen von Impfgegnern auf der Bühne. Dabei fielen bemerkenswerte Sätze.
Heute bei SPIEGEL Extra: Probieren Sie zum Wiesn-Start doch mal diesen Rostbraten (psst, er ist vegan!)
Das Geheimnis liegt in der Soße: Für seine veganen Variationen bayerischer Klassiker wurde Content-Creator Rudi angefeindet. Hier verrät er Ihnen, wie Rostbraten und andere Wiesn-Köstlichkeiten auch ohne tierische Produkte gelingen .
Ich wünsche Ihnen einen guten Start in den Tag.
Ihr Stefan Kuzmany, Autor der Chefredaktion