News des Tages: Angela Merkel, Jan Böhmermann, Helmut Kohl - DER SPIEGEL
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Die Lage am Montag Liebe Leserin und lieber Leser,

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

in der neuen Woche stehen schon drei spannende Termine fest: Am Samstag fliegt Kanzlerin Merkel in die Türkei. Es geht an die Syrische Grenze, dorthin, wo die Türkei seit einiger Zeit eine Mauer baut, um den Zustrom von Flüchtlingen aus dem Bürgerkriegsland aufzuhalten. Die Erwartungen an Merkels Besuch sind hoch.

Sie soll mit Erdogan in Sachen Pressefreiheit endlich Klartext reden und ihn öffentlich für sein Vorgehen gegen türkische Journalisten rügen. Schließlich muss Merkel nach der Staatsaffäre Böhmermann beweisen, dass sie nicht vor Erdogan kuscht. Ihre Entscheidung, das Verfahren gegen Böhmermann zuzulassen, ist bei den Deutschen nicht beliebt. Zwei Drittel halten sie nach einer Umfrage für falsch. Nur zehn Prozent sind der Meinung, dass Böhmermann für seine Schmähpoetik bestraft werden sollte.

Mir wäre es allerdings noch wichtiger, dass Merkel kritisiert, wenn die Türkei sich in Sachen Flüchtlinge nicht an internationales Recht hält. Menschenrechtsorganisationen werfen Ankara nämlich vor, dass immer wieder Flüchtlinge zurück nach Syrien deportiert werden.

Apropos Böhmermann: Die SPD hatte ja versucht, sich in der Causa den Anschein von Prinzipienfestigkeit zu geben und sich von Merkel distanziert. Das heißt aber offenbar nicht, dass die Spitzengenossen in Zukunft mit den Diktatoren dieser Welt Tacheles reden werden. Im Gegenteil. Parteichef Sigmar Gabriel huldigte dem ägyptischen Militärherrscher el-Sisi am Wochenende als "beeindruckendem Präsidenten".

Foto: GUSTAU NACARINO/ REUTERS

Männer gegen Merkel

Der zweite spannende Termin ist der für Dienstag geplante Besuch des ungarischen Präsidenten Viktor Orbán bei Altkanzler Kohl in Oggersheim. Wie Gerhard Schröder seinen Freund Wladimir zum lupenreinen Demokraten hat Kohl "meinen Freund Viktor" gerade zum lupenreinen Europäer geadelt, mit dem er sich in Europa-Fragen einig weiß. So jedenfalls schreibt Kohl im Vorwort zur ungarischen Ausgabe seines neuen Buches, in dem er die Kanzlerin und ihre Flüchtlingspolitik scharf angreift. Wenn alles nach Plan läuft, dürfte der Besuch zu einer Show der Einigkeit der zwei Männer gegen Merkel werden.

Ich musste auch an Kohl denken, als ich gestern Abend die Bilder vom Staatsakt für Hans-Dietrich Genscher sah. Nach dem Tod von Weizsäcker, Bahr, Schmidt und Genscher ist er nun der letzte Große seiner Generation. Mir gefiel die prosaische Art, in der sich der ehemalige US-Außenminister James Baker an Genscher erinnerte: In Verhandlungen sei er zäh gewesen, wie das Leder eines Cowboy-Stiefels.

Foto: Bunyamin Aygun/ AP/dpa

Fluchtursachen

Den dritten spannenden Termin möchte ich Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, empfehlen, sofern Sie in Berlin leben. Auch dabei geht es um die Flüchtlingskrise, und zwar aus der Perspektive von SPIEGEL-Journalisten: Am Mittwochabend werden meine Kollegen Susanne Koelbl, Christoph Reuter und Maximilian Popp im Spiegelsaal von Clärchens Ballhaus in Berlin Mitte über ihre Recherchen, Erfahrungen und Erlebnisse in den Ländern erzählen, aus denen Flüchtlinge nach Deutschland kommen.

Die drei haben in den vergangenen Jahren in Afghanistan und Syrien, im Irak und in der Türkei gearbeitet. Sie können erklären, warum sich Menschen auf die Flucht begeben, was sie dazu treibt, ihre Heimat zu verlassen und ihr Leben zu riskieren. Krieg? Wirtschaftliche Not? Oder Merkels offene Arme? Sie berichten, wie Journalisten unter den Bedingungen von Krieg und Bürgerkrieg arbeiten und wie es gelingen kann, die Propaganda von Diktatoren zu entlarven. Interessiert? Näheres hier .

Foto: Patrick Semansky / AP

Der Gewinner des Morgens

ist für mich die Ziege. Nach Jahrhunderten der Vernachlässigung ist das Nutztier dank Jan Böhmermann endlich wieder ins Zentrum des menschlichen Interesses gerückt. Letzte Woche hatte ich ein Interview mit National Public Radio in New York. Der amerikanische Moderator interessierte sich zunächst für alle Einzelheiten von Paragraf 103 StGB. Man merkte seinen Fragen an, dass er die Deutschen in Sachen Meinungsfreiheit für ziemlich zurückgeblieben hält.

Dann kamen wir auf die Ziege zu sprechen. Besser gesagt, fragte ich ihn, ob die Meinungsfreiheit in den USA denn wirklich grenzenlos sei, man also über jeden alles sagen dürfe, zum Beispiel auch Ziegenf***. Der Moderator bat mich, keine Wörter zu benutzen, die den Sender in Schwierigkeiten bringen könnten. Was die Rechtslage in den USA angeht, meinte er aber, dass man so ziemlich alles behaupten dürfe, solange man es beweisen kann. Zum Beispiel, indem das Opfer vor Gericht aussagt: "You'd better have the goat." Ob das ein Ansatz für die Verteidigung von Jan Böhmermann sein könnte?

Wie dem auch sei, ich wünsche Ihnen eine spannende Woche,

Ihre Christiane Hoffmann, stellvertretende Leiterin Hauptstadtbüro, DER SPIEGEL