News: Die Willkommenskultur ist herausgefordert - DER SPIEGEL
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Die Lage am Mittwoch Liebe Leserin, lieber Leser,

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was den Menschen angeht, hat der Pessimist einen Vorteil gegenüber dem Optimisten: Man kann sich darauf verlassen, dass Menschen Schlimmes tun. Der Optimist hat ohnehin den Nachteil, dass seine Annahmen verdorben sind, wenn nur einer Schlimmes tut. Entsprechend reicht dem Pessimisten eine böse Tat von irgendwem, um sich bestätigt zu fühlen.

Klar, es geht hier jetzt um Flüchtlinge. Der Willkommenskultur lag ein optimistisches Bild von den Flüchtlingen zugrunde. Nun ist dieses Bild herausgefordert. Wir wissen zum Jahresende, dass unter den Migranten Terroristen waren; dass einer mutmaßlich ein Mädchen in Freiburg vergewaltigt und ermordet hat; wir können davon ausgehen, dass einige Halbstarke einen Obdachlosen in Berlin angezündet haben. Die Übergriffe von der Kölner Silvesternacht jähren sich bald - und was kommt noch? Ich zählte zu den Optimisten des Sommers 2015, und ich bleibe einer. Von der einen Million Flüchtlinge halten sich fast eine Million an Recht und Gesetz. Aber bitter sind diese Nachrichten schon - sehr, sehr bitter.

Tag ohne Termine

Es könnte sein, dass der Tag heute der toteste Tag des Jahres wird. So liest sich jedenfalls die Tagesvorschau von der Nachrichtenagentur dpa. Normalerweise ist sie gespickt mit politischen Terminen. Für heute hat sie praktisch nichts zu bieten, was im engeren Sinne Politik ist (das Treffen der Taizé-Bewegung in Riga zähle ich nicht dazu). Man könnte also darüber sinnieren, ob sich das Adjektiv tot steigern lässt. Oder einfach genießen, wenn es denn so kommt, dass die Geschichte eine Pause macht, dass nichts passiert. Nach diesem turbulenten Jahr ist nichts so willkommen wie Leere.

Foto: POOL/ REUTERS

Schwach, schwächer, Sozialdemokratie

Ich habe gerade "Höllensturz" von Ian Kershaw gelesen. Gutes Buch, auch wenn es keine News aus der Geschichte zu bieten hat. Ich neige nicht zu dem Glauben, dass sich Geschichte gesetzmäßig wiederholt. Vor allem glaube ich nicht, dass wir vor einer neuen Ära des Faschismus stehen. Doch dann las ich bei Kershaw, dass eine der wesentlichen Voraussetzungen für den Aufstieg des Faschismus in den Zwanziger- und Dreißigerjahren die Schwäche von Sozialismus und Sozialdemokratie war. Da musste ich schlucken. Denn das ist ein wesentlicher Faktor der Politik unserer Zeit. Es regieren kaum noch Sozialdemokraten, und wenn sie regieren, heißen sie zum Beispiel François Hollande, der selbst nicht glaubt, dass er den Franzosen eine zweite Amtszeit zumuten sollte. Deshalb muss nicht der Faschismus zurückkehren, aber wohler wäre einem schon, würde der gemäßigten Linken ein attraktives Programm für das 21. Jahrhundert einfallen.

Die jüngsten Meldungen aus der Nacht

Foto: Frank Leonhardt/ dpa

Gewinner des Tages

Der ehemalige Skispringer Sven Hannawald hat sich Gedanken darüber gemacht, wer bei der kommenden Vierschanzentournee seinen bislang einmaligen Triumph, alle vier Springen zu gewinnen, wiederholen könnte. Jahr für Jahr bangt Hannawald um seine Einmaligkeit. Diesmal traut er gleich zwei Springern die vier Siege zu, dem Slowenen Domen Prevc und dem Norweger Daniel-Andre Tande. Mit anderen Worten: Hannawald kann nichts passieren. Wenn zwei Springer superstark sind, ist es nicht wahrscheinlich, dass einer viermal gewinnt. Ob Hannawald diese Logik bewusst ist, weiß ich nicht. Jedenfalls ist er mein Gewinner des Tages.

Ich wünsche Ihnen einen angenehmen Tag. Herzlich,

Ihr Dirk Kurbjuweit