meinung •Die Lage am Morgen Tour de Diktatur
Heute geht es um den Zwist zwischen Deutschland und Frankreich in der Palästinafrage. Um Trumps Schottlandbesuch. Und um den Tour-de-France-Sieg der Golf-Aristokratie.
Europas Nahostproblem
In New York startet heute eine internationale Konferenz, um über eine Zweistaatenlösung für den Nahostkonflikt zu beraten. Eingeladen haben Frankreich und Saudi-Arabien. Damit will vor allem Frankreich den Druck auf andere Staaten erhöhen, Palästina als eigenständigen Staat anzuerkennen. Dieser Druck gilt auch der deutschen Bundesregierung, die zunächst zurückhaltend auf einen entsprechenden Appell reagierte.
Europapolitiker Merz und Macron (Anfang Mai in Paris)
Foto: Ludovic Marin / EPAIch persönlich bin skeptisch, wenn gerade aus der tiefsten Krise eines Konflikts eine vermeintlich einfache, glasklare Lösung feilgeboten wird. Insbesondere weil die französische Regierung unter dem massiven innenpolitischen Druck vieler arabischstämmiger Mitbürgerinnen und Mitbürger steht.
Deutschland wiederum hat ein für viele nachvollziehbares historisches Hemmnis, das tatsächlich menschenunwürdige Vorgehen Israels besonders schnell und besonders scharf zu verurteilen. Wer um diese historischen und bevölkerungsarithmetischen Hintergründe für das Handeln jeweiliger Regierungen weiß, der versteht vielleicht, warum Deutschland in diesen Tagen besonders vorsichtig und Frankreich besonders forsch agiert.
Ich hoffe inständig, dass sich beide Länder bei ihrem Bemühen um eine neue deutsch-französische Partnerschaft als Motor der Europäischen Union durch ihre Divergenzen mit Blick auf den Nahen Osten nicht auseinandertreiben lassen.
Mehr Hintergründe hier: Deshalb prescht Macron in der Palästinafrage vor
Trumps Business-Trip
US-Präsident Donald Trump weilt heute in Aberdeen und Turnberry in Schottland. Im Laufe des mehrtägigen Besuchs ist zwar auch ein Treffen mit dem britischen Premierminister Keir Starmer geplant, aber ein zentraler Grund für die Visite dürfte sein, dass Trump in Schottland zwei Golfresorts aufgebaut hat.
US-Präsident Trump am Samstag auf einem seiner schottischen Golfplätze
Foto: Tolga Akmen / EPADas Familienimperium wird zwar formal von Trumps Söhnen geführt, solange der Herr Papa als Staatspräsident leider verhindert ist. Der Patriarch hat aber immer wieder gezeigt, dass er keinerlei Skrupel hat, das hohe demokratische Amt des Anführers der westlichen Welt für den privatwirtschaftlichen Vorteil seiner Sippschaft zu missbrauchen.
Die beiden privaten Golfresorts der Trump-Dynastie werden jedenfalls nicht zu den Leidtragenden des Staatsbesuchs des gegenwärtigen US-Präsidenten zählen.
Mehr Hintergründe hier: Die Präsidentschaft als endlose Abzocke
Lesen Sie dazu auch den aktuellen SPIEGEL-Leitartikel
Europa kapituliert vor Donald Trump: Europa zahlt 15 Prozent auf US-Exporte, die Amerikaner können ihre Produkte zollfrei liefern: Die EU unterwirft sich im Handelsdeal dem US-Präsidenten. Es wird Zeit, dass die Europäer stärker werden.
Tour de Diktatur
Gestern ging in Paris die Tour de France zu Ende. Gewonnen hat mal wieder der Slowene Tadej Pogačar, der seit einiger Zeit zweifellos der allerbeste Rennfahrer der Welt ist, der zweifellos vom allerbesten Team der Welt unterstützt wird.
Tour-Sieger Pogačar
Foto: Martin Divisek / EPAFür mich als sportlich leicht zu begeisternden und zugleich politisch interessierten Menschen ist es allerdings höchstproblematisch, dass diese Höchstleistungen mit den Geldern einer Golf-Autokratie ermöglicht werden, den Vereinigten Arabischen Emiraten, nach denen das Team von Pogačar praktischerweise auch benannt ist.
Ohne das immense Geld des Emirats wäre dieser Erfolg nicht möglich gewesen. Und ja, es ist ein riesiger Unterschied, ob man mit seinen sportlichen Leistungen einem privaten Badarmaturenhersteller oder dem Produzenten von Gummibärchensaftbrause zu mehr Aufmerksamkeit verhilft – oder ob man eine Autokratie weißwäscht und mit glänzenden Tour-Titeln deren Defizite in Sachen Demokratie und Menschenrechte aktiv zu überstrahlen versucht.
Mehr Hintergründe hier: Lipowitz holt bei der Tour de France Platz drei, Pogačar den Gesamtsieg
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Gewinnerinnen des Tages…
Europameisterinnen aus England
Foto: Martin Meissner / AP / dpa…sind die Fußballspielerinnen aus England. Sie haben gestern Abend die spielerisch versierteren Spanierinnen im Finale der Fußball-Europameisterschaft besiegt. Und wie so viele Spiele dieser EM endete auch das Finale denkwürdig knapp erst nach Verlängerung und Elfmeterschießen (hier können Sie alles Wichtige zum Spiel nachlesen).
Aus deutscher Sicht mag das Resultat mancherorts für Schadenfreude oder Genugtuung sorgen. Schließlich hatten die Spanierinnen Deutschland erst im Halbfinale rausgeworfen, mit einem Tor in der Nachspielzeit (hier mehr dazu). Und schließlich hatten die spanischen Männer die Deutschen vor einem Jahr in einer der letzten Minuten der Nachspielzeit ebenfalls aus der Europameisterschaft der Männer geschossen. Aber das wäre ein wenig kleingeistig. Den schönsten Fußball spielen nämlich nüchtern betrachtet aktuell die Spanierinnen und die Spanier.
Dennoch sind die Engländerinnen nun Europameisterinnen. Auch weil sie in der Schlussphase etwas behielten, was ihren männlichen Kollegen beim Elfmeterschießen traditionell eher abgeht: Nerven.
Mehr Hintergründe hier: Das passende Finale für dieses Turnier
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