Nord-CDU Affäre löst heftige Diskussionen aus
Kiel - In der CDU Schleswig-Holsteins gibt es innerparteiliche Auseinandersetzungen über die Wahlkampfkonzeption. Eine Sondersitzung des Landesvorstandes soll nach einem Bericht des "Flensburger Tageblatt" klären, wo die 100.000 Mark geblieben sind, die in bar an den früheren Landeschef Ottfried Hennig geflossen sein sollen. Parteisprecher Timo Scheil bestätigte eine Sitzung am Samstag kurz vor Wahlkampfbeginn, betonte aber, das sei keine Sondersitzung. Berichte über Streit in der Partei nannte er am Freitag in Kiel Unsinn.
Die "Flensburger Nachrichten" hatten geschrieben, in der Landes-CDU wachse die Unzufriedenheit mit Spitzenkandidat Volker Rühe: Der Bundestagsabgeordnete Dietrich Austermann habe ihm mangelndes Krisenmanagement und zu wenig landespolitische Akzente vorgeworfen. Austermann wies auf einer Pressekonferenz den Bericht zurück. Insider sehen einen Machtkampf zwischen einer Gruppe um den konservativen Landeschef Peter Kurt Würzbach und Rühe heraufziehen.
Unterdessen nahm die Ex-Frau von Hennig den Politiker in Schutz: "Ich kann mir absolut nicht vorstellen, dass Ottfried Hennig 100.000 Mark angenommen hat", sagte Claudia Hennig den "Lübecker Nachrichten".
"Mein früherer Mann war der unkorrupteste Politiker, den ich kenne", sagte sie der Zeitung. Sie räumte aber ein, zur Zeit der angeblichen Geldzahlung schon von Hennig getrennt gewesen zu sein. Der letztes Jahr gestorbene frühere CDU-Landesvorsitzende hatte nach Angaben der Bundespartei 1997 die 100.000 Mark in bar vom Helmut-Kohl-Vertrauten Hans Terlinden erhalten. Das Geld sei nicht an den Landesverband geflossen, erklärte der Generalsekretär der Landespartei, Johann Wadephul, Mitte der Woche. Später bestritt Terlinden in einem Zeitungsinterview diese Angaben. Am Samstag eröffnet die CDU mit Parteichef Wolfgang Schäuble ihren Wahlkampf in Kiel.