Öffentlicher Dienst Streik endgültig abgewendet
Stuttgart - Abgestimmt über den Tarifkompromiss von letzter Woche hatten am Mittwoch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), die Gewerkschaft der Polizei (GdP) und die Gewerkschaft Öffentliche Dienste, Transport und Verkehr (ÖTV).
Nach Gewerkschaftsangaben stimmten bei der ÖTV 60,1 Prozent für den Abschluss, bei der GEW 49,5 Prozent, bei der GdP 62 Prozent, bei der Tarifunion des Deutschen Beamtenbundes (DBB) 52,4 Prozent. Für eine Annahme des Tarifergebnisses brauchten ÖTV, GEW, GdP und DBB jeweils 25 Prozent Zustimmung.
Obwohl das für Freitag erwartete Ergebnis der Deutschen Angestellten-Gewerkschaft (DAG) noch aussteht, ist der Abschluss vermutlich schon angenommen, eine der längsten Tarifrunden der vergangenen Jahre ohne Arbeitskampf zu Ende gegangen. Bei der DAG sind 30 Prozent Zustimmung notwendig.
Der Tarifabschluss sieht für die Monate April bis Juli eine Einmalzahlung von insgesamt 400 Mark vor. Von August an steigen die Einkommen für 13 Monate um zwei Prozent, von September 2001 an um weitere 2,4 Prozent. Der Tarifvertrag hat eine Laufzeit von 31 Monaten. Außerdem sollen die Osteinkommen in drei Stufen bis 2002 von derzeit 86,5 Prozent auf 90 Prozent angehoben werden.
ÖTV-Chef Herbert Mai wertete das Ergebnis als eine Bestätigung des "konsequenten Kurses der ÖTV". Die Mitglieder der Gewerkschaft hätten mit ihrem Votum zudem gezeigt, dass sie der Meinung seien, auch ein Streik bringe kein besseres Ergebnis. Mai betonte zudem, die ÖTV fordere nachdrücklich die Übertragung des Tarifergebnisses auf die rund eine Million Beamten.
GEW-Vorstandsmitglied Heiko Gosch sagte, "wir haben den Abschluss angenommen - wenn auch nicht mit Freude". Nach den Worten des GdP-Bundesvorsitzenden Norbert Spinrath musste seine Gewerkschaft bei der Angleichung Ost eine dicke Kröte schlucken. Der Vorsitzende der DBB-Tarifunion Robert Dera sagte: "Die Kollegen haben ihre geballte Faust in der Tasche gelassen."