Öko-Skandal Task Force auf der Nitrofen-Spur
Berlin - Das Gremium soll zunächst klären, wohin in Deutschland möglicherweise mit dem verbotenen Pflanzengift verseuchte Lebens- oder Futtermittel geliefert wurden. Verbraucherministerin Renate Künast (Grüne) und Länderagrarminister hatten die Gründung der Task Force neben weiteren Sicherheitsmaßnahmen bei einem Treffen am Donnerstagabend in Berlin beschlossen.
Außerdem werden neue Erkenntnisse über die Belastung von Lebensmitteln mit dem Pflanzengift erwartet. Das ZDF berichtet unter Berufung auf Behördenangaben, der Futtermittelbetrieb GS agri soll vorübergehend geschlossen werden. Die Firma soll Nitrofen-Funde über Monate verschwiegen und verseuchten Weizen weiter ausgeliefert haben. Die Staatsanwaltschaft Oldenburg informiert außerdem über den Stand der Ermittlungen in dem Skandal.
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In Niedersachsen soll eine zweite Probe Gewissheit darüber bringen, ob auch Nicht-Bio-Lebensmittel betroffen sind. Am Donnerstag fanden Behörden dort in einem ersten Test Nitrofen in Eiern eines Nicht-Bio-Hofes. Dieser soll allerdings eine Zulassung als Öko-Landbau-Betrieb beantragt und seit längerem Öko-Weizen verfüttert haben. In Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern war das verbotene Mittel in mehreren Proben von Bio-Eiern und Bio-Geflügel gefunden worden.
In der SPD wird unterdessen der Ruf nach personellen Konsequenzen aus der Nitrofen-Affäre laut. Der SPD-Bundestagsabgeordnete Heino Wiese forderte Künast dazu auf, Spitzenbeamte zu entlassen, die Informationen über den Bio-Skandal nicht zügig weitergeleitet hätten. Wiese, der dem Agrarausschuss des Bundestages angehört, sagte der in Hannover erscheinenden "Neuen Presse", der Leiter der Bundesanstalt für Fleischforschung in Kulmbach, Karl Honikel, sei "als erster fällig".
Laut Wiese prüfen Experten des Bundesverbraucherministeriums derzeit, ob der Unkrautvernichter Nitrofen bei der GS Agri als Keimverhinderer eingesetzt wurde.
Trotz des Nitrofen-Skandals will die Mehrheit der Deutschen auch künftig Bio-Produkte kaufen. Das hat eine repräsentative Umfrage des Bonner Meinungsforschungsinstituts dimap im Auftrag der Nachrichtensendung MDR aktuell ergeben. Danach wollen bundesweit 52 Prozent der Befragten auch künftig Produkte aus ökologischem Anbau kaufen. 16 Prozent gaben dagegen an, in Zukunft weniger auf Bio-Lebensmittel zurückzugreifen. Lediglich sieben Prozent der Verbraucher sind so stark verunsichert, dass sie künftig ganz auf Bio-Erzeugnisse verzichten wollen. Immerhin 24 Prozent der Befragten erklärten, dass sie bislang keine Bio-Produkte gekauft haben und dies auch weiterhin nicht beabsichtigen.
Der Nitrofen-Skandal wird sich nach bisherigem Kenntnisstand von Bundesverbraucherministerin Renate Künast (Grüne) jedoch nicht auf die konventionelle Landwirtschaft ausweiten. Es gebe keinen Grund zur Beunruhigung, da alle Hinweise sich auf einen Futtermittelproduzenten in Niedersachsen beschränkten, sagte Künast am Freitag im ZDF-Morgenmagazin. Der konventionelle Bereich werde jetzt stichprobenartig durch die Länder untersucht, "um sicher zu gehen. Wir haben nach jetzigem Kenntnisstand nur den Hinweis, es bezieht sich auf Bio-Geflügelfutter", sagte Künast.
Der niedersächsische Futtermittelhersteller GS agri steht im Verdacht, Funde des verbotenen Unkrautvernichtungsmittels Nitrofen monatelang verschwiegen zu haben. Zur Aufklärung des Nitrofen-Skandals nimmt die neue Task Force von Bund und Ländern heute ihre Arbeit auf. Sie soll zunächst klären, wohin möglicherweise verseuchte Lebens- oder Futtermittel geliefert wurden.