Parteikrise Linken-Chefin Lötzsch warnt Genossen vor Selbstzerstörung
Linken-Chefin Lötzsch: "Wir können nur gemeinsam gewinnen oder getrennt verlieren"
Foto: dapdBerlin - Die Linke ist nach den jüngsten Pleiten bei den Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz und einem wochenlangen internen Streit alarmiert - und sorgt sich offenbar um die eigene Existenz: Parteichefin Gesine Lötzsch warnte jetzt vor dramatischen Folgen des Zwists. Vielen Mitgliedern sei offenbar die Gefahr nicht bewusst, "wie schnell man eine Partei zerstören kann und wie schwer es ist, sie wieder aufzubauen", sagte Lötzsch der Parteizeitung "Neues Deutschland". "Wir können nur gemeinsam gewinnen oder getrennt verlieren."
Zuletzt hatte Schatzmeister Raju Sharma den Co-Parteivorsitzenden Klaus Ernst scharf angegriffen, weil dieser seine Kritiker attackiert hatte. "Er soll sich konkret äußern oder die Klappe halten", sagte Sharma der "Süddeutschen Zeitung" und wurde deswegen von der stellvertretenden Vorsitzenden Sahra Wagenknecht zum Rücktritt aufgefordert. Sharma und Wagenknecht gehören dem geschäftsführenden Vorstand an.
Lötzsch wandte sich gegen Rücktrittsforderungen. Alle in der Partei müssten darauf achten, "dass wir uns nicht gegenseitig Wunden schlagen. Die Wunden, die von den eigenen Genossinnen und Genossen zugefügt werden, heilen besonders langsam", sagte sie.
Am Mittwoch kommt in Berlin der geschäftsführende Linken-Vorstand zu einer Sondersitzung zusammen. Ziel des Treffens ist laut Lötzsch, zum gemeinsamen und selbstbewussten Handeln zurückzufinden. Die Vorsitzende forderte "einen sorgsamen Umgang mit der Partei" - das sei "insbesondere die Aufgabe von gewählten Führungen". Bei dem Treffen des zwölfköpfigen Gremiums werde es um eine "aktuelle Verständigung" gehen, sagte eine Parteisprecherin der Nachrichtenagentur dpa auf Anfrage.
In einem gemeinsamen Aufruf forderten jetzt auch die Linken-Landespolitiker Kreszentina Flauger (Niedersachsen), Kerstin Kaiser (Brandenburg), Willi van Ooyen (Hessen) und Bodo Ramelow (Thüringen) ein Ende des Streits. Die Partei benötige "ein neues, solidarisches Miteinander".