PDS: Gysis Comeback-Pirouetten - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

PDS Gysis Comeback-Pirouetten

Kaum gegangen, will das PDS-Aushängeschild Gregor Gysi schon wieder zurück ins Politikgeschäft. In Dresden kündigte Berlins zurückgetretener Wirtschaftssenator erneut ein Comeback an.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Dresden - Seine Parteigenossen sind immer noch sauer. Laut Umfragen hat die PDS allein im Osten Berlins bis heute vier Prozent ihrer Stammwähler verloren, nachdem ihr Parteigründer Gregor Gysi - kaum hundert Tage als Wirtschaftssenator Berlins im Amt - im Sommer das Handtuch warf. Angeblich befürchtete er eine unangenehme Veränderung seiner Persönlichkeit und sah sich Vorwürfen gegenüber, als Bundestagsabgeordneter Bonusmeilen der Lufthansa für einen Freiflug seiner Familie nach Kuba verwendet zu haben.

Am Samstag kündigte er in Dresden erneut an, dass dies doch nicht sein Abgang von der politischen Bühne war. Er wolle stattdessen in den Medien und in der Öffentlichkeit präsent bleiben. "Konkretes zu einem politischen Amt wird aber erst nach dem 22. September entschieden", sagte Gysi. Grundsätzlich sei jedenfalls nicht ausgeschlossen, dass er wieder politische Verantwortung übernehme.

Zukunft in Brandenburg?

In Brandenburg sind unterdessen Spekulationen laut geworden, er wolle als künftiger PDS-Spitzenkandidat und Nachfolger für den demnächst aus dem Amt scheidenden PDS-Fraktionsvorsitzenden Lothar Bisky kandidieren. Wenn Gysi sich entschließen würde, als Spitzenkandidat anzutreten, wäre er "sehr froh", sagte Bisky diese Tage der "Welt". Es könnte allerdings auch Kandidaten aus Brandenburg geben.

Dem Bericht nach stehe auch der PDS-Landesvorsitzende Ralf Christoffers einer Kandidatur Gysis nicht ablehnend gegenüber, er halte die "Personalspekulation" aber für verfrüht, da in Brandenburg erst 2004 gewählt wird. "Dass Herr Gysi eine weitere politische Karriere in der PDS haben wird, ist niemals ausgeschlossen worden", sagt Christoffers.

Schon in Köln hatte Gysi kürzlich auf einer Wahlkampfveranstaltung angekündigt, dass er "auch nach dem 22. September politisch mit der PDS im Radio und Fernsehen" wiederzusehen sei.

Zugleich halten sich aber auch hartnäckig Gerüchte, Gysi wolle versuchen, nach der Bundestagswahl gemeinsam mit dem 1999 zurückgetretenen SPD-Vorsitzenden Oskar Lafontaine ein neues politisches Links-Bündnis zu begründen. Mit Lafontaine versteht sich Gysi ausgesprochen gut.

Seine eigene politische Glaubwürdigkeit spielte für Gysi bei seinem Wahlkampfauftritt in Dresden weniger eine Rolle. Stattdessen attackierte er als PDS-Wahlkämpfer die SPD und warf ihr vor, als Antikriegs-Partei unglaubwürdig zu sein, nachdem sie Seite an Seite mit der Bundesregierung in den vergangenen Jahren 17 Kriegseinsätzen zugestimmt hätte. Nun müsse er hören, "wie die SPD im Bundestag die Argumente der PDS von früher benutze".

Mehr lesen über