Bundeswehr: Boris Pistorius lässt Drohnenregiment aufstellen - DER SPIEGEL
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Konsequenz aus Ukrainekrieg Pistorius lässt Drohnenregiment aufstellen

600 Soldaten und die Fähigkeit zum »elektromagnetischen Kampf«: Verteidigungsminister Pistorius hat den Aufbau des ersten Drohnenregiments der Bundeswehr angekündigt. Geplant sind nach SPIEGEL-Informationen fünf Kompanien mit spezialisierten Fähigkeiten.
Militärdrohne (Symbolbild)
Militärdrohne (Symbolbild)

Militärdrohne (Symbolbild)

Foto: Filip Singer / EPA

Die Bundeswehr stellt als Reaktion auf technologische Entwicklungen im Ukrainekrieg erstmals ein eigenes Drohnenregiment auf. Das sagte Verteidigungsminister Boris Pistorius am Donnerstag bei einem Besuch des Truppenübungsplatzes im niedersächsischen Bergen.

Die Bundeswehr ziehe damit ihre Schlüsse aus den Beobachtungen auf dem Gefechtsfeld. »Wer sich zu Land durchsetzen will, der muss eben den Kampf mit unbemannten Systemen beherrschen«, sagte der SPD-Politiker. Die Erfahrungen aus der Ukraine würden bei allen Entwicklungen einbezogen.

Der neue Verband habe den Auftrag, die Fähigkeiten für Aufklärung, Wirkung ​und das Abfangen gegnerischer Drohnen zu bündeln, sagte Pistorius. Das Regiment werde dabei Reichweiten von der Nächstdistanz ⁠bis zu ⁠500 Kilometern abdecken und über eine eigene Kompanie zum elektromagnetischen Kampf verfügen.

Das neue Regiment soll 600 Soldaten umfassen

Der Inspekteur ‌des Heeres, Generalleutnant Christian Freuding, sagte, die Geschwindigkeit des Vorhabens sei ambitioniert, gleichsam sei der Aufbau der Einheit militärisch dringlich. »Heute ist ein guter Tag fürs Heer, mit dem Startschuss verfolgen wir einen schnellen Pfad, um die dringend notwendige Fähigkeit im Bereich Drohnen schnell aufzubauen«, teilte Freuding dem SPIEGEL mit. Das Regiment werde ein selbstständiges Element im Heer, das aber auch interoperabel mit anderen Verbänden sei, so Freuding.

Laut dem Inspekteur des Heeres soll das Regiment, für das ein geeigneter Standort gesucht wird, wo die Soldaten gut mit Drohnen üben können, schon kommendes Jahr eine sogenannte Anfangsbefähigung erreichen. In den beiden Jahren danach soll die Einheit auf gut 600 Mann wachsen. »Am Ende werden wir ein selbstständiges Element für die Division 2025 haben«, so der Bundeswehroffizier.

Die Division 2025 gilt als das Zukunftsprojekt des Heeres. Mit massiven Investitionen soll aus der 10. Panzerdivision des Heeres eine moderne, voll einsatzbereite und ausgestattete Division von bis zu 30.000 Soldaten entstehen. Wichtiger Teil der Division ist die Brigade 45, die ab 2027 dauerhaft in Litauen stationiert sein wird.

Geplant ist Freuding zufolge der Aufbau von fünf Kompanien innerhalb des Drohnenregiments, die über verschiedene Fähigkeiten verfügen. Eine Kompanie soll sich auf Drohnen konzentrieren, die auf kleinere Entfernungen, sogenannte »short range strikes«, wirken. Eine weitere fokussiert sich auf mittlere Entfernungen von bis zu einigen hundert Kilometern. Zwei weitere Kompanien sollen sich auf die Drohnenabwehr und den elektronischen Kampf mit Drohnen spezialisieren. Freuding plant zudem eine Kompanie für Tests und Neuentwicklungen.

Parallel dazu würden unbemannte Systeme weiterhin tief in bestehende Truppengattungen wie ​Jäger, Aufklärer und Panzertruppen integriert. Zudem ⁠sei es das feste Ziel, die Brigade 45 noch vor ihrer Verlegung nach Litauen mit Fähigkeiten zur Drohnenabwehr auszustatten.

Pistorius äußerte sich im Rahmen der »Experimentalserie Land«. Dabei erprobt die Truppe gemeinsam mit der Industrie neue Technologien. Dies sei ein »Labor im Gelände«, um innovative ​Lösungen schneller zu ‌entwickeln. »Wir überlassen es nicht mehr anderen oder denjenigen, die uns am Ende etwas verkaufen wollen, uns das auf den Hof zu stellen, sondern wir erproben das, was schon da ist«, erklärte der Minister. Der Erfolg einzelner Waffensysteme hänge entscheidend ‌davon ab, wie sie in das Gesamtnetzwerk integriert werden könnten.

mgb/sei/Reuters