Politbarometer Schröder im Aufwind
Berlin - Beim ZDF-Politbarometer erreicht die SPD in der aktuellen politischen Stimmung 46 Prozent, das sind elf Prozentpunkte mehr als im Juni. Die Union verliert fünf Prozentpunkte und kommt nur noch auf 39 Prozent. Die Grünen profitieren nicht vom positiven Trend ihres Koalitionspartners, sie erreichen nur sechs Prozent (Juni sieben Prozent). Die FDP verliert zwei Prozentpunkte und landet bei sechs Prozent, die PDS liegt unverändert bei drei Prozent.
Auf der Liste der zehn wichtigsten Politiker liegt Kanzler Gerhard Schröder (SPD) wieder vorn, gefolgt von Außenminister Joschka Fischer (Grüne). Zwei Drittel der Befragten halten die CDU für zerstritten, nur ein Drittel die SPD. Im Dezember 1999 war das Bild noch umgekehrt. Wenn am Sonntag aber tatsächlich Bundestagswahl wäre, sieht der Zuwachs für die SPD bescheidener aus. Bei der so genannten "Sonntagsfrage" spielen auch längerfristige Bindungen der Wähler und taktische Überlegungen eine größere Rolle. Die Sozialdemokraten kämen demnach auf 40 Prozent, zwei Prozentpunkte mehr als im Juni.
CDU/CSU wäre mit 38 Prozent nur noch zweitstärkste Kraft (39 Prozent im Juni). Die Grünen kämen auf fünf Prozent (Juni sechs Prozent), FDP und PDS unverändert auf sieben beziehungsweise fünf Prozent. Auf die Frage, ob die SPD voll hinter Schröder stehe, antworten 55 Prozent der Befragten mit "Ja" und 37 Prozent mit "Nein". Auf die Frage, ob die CDU voll hinter Parteichefin Angela Merkel stehe, antworten nur 23 Prozent mit "Ja" und 64 Prozent mit "Nein". Gefragt wurde außerdem nach der richtigen Linie für die Oppositionsarbeit. Nur 22 Prozent der Befragten sind der Ansicht, dass die Opposition die Regierung möglichst hart kritisieren solle. 64 Prozent plädieren stattdessen für eine wirksame Unterstützung der Regierung.
Die Wirtschaftskompetenz liegt jetzt der Umfrage zufolge so deutlich wie noch nie bei der SPD: 42 Prozent sprechen den Sozialdemokraten hier eine führende Rolle zu, im Juni waren es nur 27 Prozent. CDU/CSU nennen nur 19 Prozent (Juni 26 Prozent). Damit einhergehend wächst die Zuversicht in die wirtschaftliche Entwicklung: 51 Prozent erwarten, dass es mit der Wirtschaft aufwärts geht, nur noch elf Prozent rechnen mit einem Abwärtstrend.
Bei den beliebtesten Politikern erhält Schröder einen Wert von 1,9 (Juni 1,4) und Fischer von 1,8 (Juni 1,4). Der bisherige Spitzenreiter, Sachsens Ministerpräsident Kurt Biedenkopf (CDU), kommt mit ebenfalls 1,8 nur noch auf Platz drei (Juni 2,0). Deutlich verschlechtert hat sich die CDU-Vorsitzende Merkel, die nur noch einen Wert von 1,4 erhält (Juni 1,8). Es folgen Finanzminister Hans Eichel (SPD) mit 1,2 (Juni 0,8), CSU-Chef Edmund Stoiber mit 0,7 (Juni 0,8) und Verteidigungsminister Rudolf Scharping (SPD) unverändert mit 0,7. Unionsfraktionschef Friedrich Merz verschlechtert sich von 0,6 auf 0,3. Die Schlusslichter bilden der nordrhein-westfälische FDP-Vorsitzende Jürgen Möllemann mit minus 0,1 und Umweltminister Jürgen Trittin (Grüne) mit minus 0,8.
Für das Politbarometer befragte die Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen vom 24. bis 27. Juli telefonisch 1255 zufällig ausgewählte Wahlberechtigte. Die Fehlermarge wurde bei den großen Parteien mit 2,7 Prozentpunkten, bei den kleineren mit rund 1,4 angegeben.