Porträt: Der Anwalt der Unschuld - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Porträt Der Anwalt der Unschuld

Der Essener Anwalt Stephan Holthoff-Pförtner beriet den Ex-Kanzler. Für ihn eine "einmalige Chance".
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Essen - Er hat eine wohl "einmalige Chance" erfolgreich genutzt: Dem Essener Anwalt Stephan Holthoff-Pförtner ist es gelungen, seinen Mandanten, den CDU-Altkanzler Helmut Kohl, aus prekärer Lage "herauszuhauen". Dem "CDU-Patriarchen" bleibt es dank der offensichtlich geschickten juristischen Bemühungen des als Multitalent und Tausendsassa bekannten 52-jährigen Anwalts erspart, als erster Bundeskanzler der Bundesrepublik mit dem Stigma einer Vorstrafe in die Geschichte eingehen zu müssen.

Bundeskanzler in brisanter Lage

"Wann bekommt schon mal ein Anwalt die Gelegenheit, einen Bundeskanzler in einer so brisanten Lage juristisch vertreten zu können?", meint Holthoff-Pförtner. Schließlich fand das Ermittlungsverfahren der Staatsanwälte gegen Kohl nicht nur in Deutschland, sondern in aller Welt großes Interesse und Beachtung. Vermittelt wurde das Mandat durch den CDU-Bundestagsabgeordneten Ronald Pofalla. Er ist einer der zehn Rechtsanwälte, die in der Kanzlei Holthoff-Pförtners arbeiten.

"Hohe Auszeichnung"

Als Kohl durch das "Schleusen" von rund zwei Millionen Mark anonymer Spenden an den gesetzlichen Vorschriften vorbei in Bedrängnis kam und nach anwaltschaftlicher Vertretung suchte, schlug ihm sein Fraktionskollege Pofalla die Essener Sozietät vor. Holthoff-Pförtner, Mitglied der CDU, ist zwar in erster Linie nicht Strafverteidiger. Er rechnet es sich aber als "hohe Auszeichnung" an, für Kohl zu arbeiten.

Kohl aus dem Feuer holen

Auch bei allen Auftritten des Altkanzlers im Berliner Untersuchungsausschuss in der CDU-Parteispendenaffäre brachte es der Essener Jurist bisher fertig, mit einer fein ausgetüftelten Strategie den Hauptzeugen in der Affäre, Kohl, "aus dem Feuer" zu holen.

Holthoff-Pförtner berichtet, dass er mit den beiden anderen Rechtsanwälten, die den Fall Kohl bearbeiten, vor jedem Ausschusstermin jede mögliche Situation "durchgespielt" hat. "So sind wir eigentlich nie von den Fragestellern überrascht worden", erläutert er. Am 13. März will er auch im Internationalen Handelszentrum in Berlin ein Büro eröffnen. Als Ehrengast hat Kohl sein Erscheinen zugesagt.

Mehr lesen über