Porträt: "Doris Day des Ostens" - DER SPIEGEL
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Porträt "Doris Day des Ostens"

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Düsseldorf - Die Frau will ein Zeichen für den Osten setzen. "Die FDP ist immer noch eine gesamtdeutsche Partei", rief sie den rund 660 Delegierten auf dem FDP-Bundesparteitag in Düsseldorf zu. Ihr Ergebnis - 75 Prozent gibt ihr dafür Rückendeckung.

Der SPIEGEL nannte sie einmal "Doris Day des Ostens". Man darf darauf gespannt sein, wie das in den Talk-Shows neben den "Generalen" Franz Müntefering (SPD) und Laurenz Meyer (CDU) oder Grünen-Bundesgeschäftsführer Reinhard Bütikofer wirkt. Pieper hat so ganz wenig von der oft schroffen, spröden Charme vieler Menscher der ehemaligen Chemie-Stadt Halle an der Saale. Auf der FDP-Feier zum zehnjährigen Einheitsjubiläum traf Pieper einen ihrer Helden, den ehemaligen sowjetischen Staats- und Parteichef Michail Gorbatschow. "Ein unheimlich bewegender Moment", wie sie später schwärmte. Bewegend sicher nicht nur, weil sie Gorbatschow als Wegbereiter der Deutschen Einheit verehrt.

Bewegend sicher auch, weil es auch ein guter Zeitpunkt war, eine äußerst erfolgreiche Nachwende-Bilanz ihrer politischen Karriere zu ziehen. Von 1990 bis 1994 war sie Vizepräsidentin im Landtag von Sachsen-Anhalt. 1993 stieg sie in den FDP- Bundesvorstand auf, 1995 wurde sie Landesvorsitzende in Sachsen- Anhalt, 1997 stellvertretende Bundesvorsitzende. Doch Piepers Erfolgsstory kontrastiert aufs Schärfste mit der Bilanz der Liberalen in den neuen Ländern: In Deutschlands Osten heißt es für die FDP "Bonjour Tristesse". Kein Landtag mehr, in dem die Liberalen vertreten sind. Zuletzt war man in der Berliner Parteizentrale regelrecht froh, nicht an der Ein-Prozent-Hürde zu scheitern und damit auch noch ohne Wahlkampfkosten-Entschädigung dazustehen.

Pieper sieht die Lage der Partei in Ostdeutschland selbstverständlich anders. Mitnichten seien die Liberalen eine West-Partei, betont sie und verweist dabei auf den hohen Anteil von ostdeutschen Bürgermeistern mit FDP-Parteibuch. Insgesamt 4000 kommunale Mandatsträger habe die FDP im Osten, davon alleine 525 in Sachsen-Anhalt.