Pressestimmen zu Anschlag in Würzburg "Nie war es einfacher, Terror zu verbreiten"
Polizisten in Würzburg
Foto: DANIEL ROLAND/ AFP"Die Presse", Österreich: "Diese Art von Anschlag bedarf keiner besonderen logistischen Vorbereitung. Es reicht, die Waffen im nächsten Baumarkt zu kaufen und wie jetzt im Fall Würzburg in einen Zug zu steigen. Ein direkter Kontakt zu einer jihadistischen Organisation wie dem sogenannten "Islamischen Staat" (IS) ist dafür nicht mehr nötig. Und der IS bucht die Aktion trotzdem propagandawirksam auf seinem Attentatskonto gut. Nun mobilisiert der IS über seine Aufrufe zunehmend Menschen, die ihren amokartigen Taten einen politischen Sinn geben können. Sind diese Täter über die IS-Ideologie zum Irrsinn oder über ihren Irrsinn zur IS-Ideologie gelangt? Noch nie war es einfacher als jetzt, Terror zu verbreiten."
"Neue Zürcher Zeitung", Schweiz: "Das nächtliche Grauen im Regionalzug ist ein Zeichen dafür, dass sich Deutschland verändert hat, und nicht so, wie sich die Bundeskanzlerin das mit ihrer 'Willkommenskultur' vorgestellt haben mag. Wie schon nach der Neujahrsnacht in Köln und anderen Städten machen sich Angst und Schrecken breit, und wieder stehen muslimische Einwanderer im Fokus. Das lässt sich nicht einfach ignorieren, es wird politische Auswirkungen haben."
"Nürnberger Nachrichten": "Zweifelsohne erhöht das Massaker von Würzburg die Ängste vor den nicht zu verharmlosenden Negativ-Folgen der Zuwanderung. Differenzierungen sind da angesichts verständlicherweise hochkochender Emotionen zunächst wenig gefragt. Dennoch sind sie notwendig, damit diese eine Tat die weitgehend friedliche Realität im Einwanderungsland Deutschland nicht verdrängt. Allerdings werden sachliche Debatten zusehends schwierig in der Aufgeregtheit der Netzwelt. Renate Künasts Zweifel an der Notwendigkeit der tödlichen Schüsse des SEK waren angesichts des Ernsts der Lage sicher voreilig und fragwürdig - aber der Hass, der ihr darauf im Internet entgegenschlug, trägt zur Spaltung der Gesellschaft bei. Da empfiehlt sich viel eher die trotzige Gelassenheit Joachim Herrmanns: 'Wir leben unser Leben weiter.' Täten wir das nicht, dann hätten die Feinde unserer Freiheit ihr Ziel erreicht."
Angriff im Regionalzug: Ermittler suchen nach Spuren
"Berliner Zeitung": "Die Fassungslosigkeit paart sich nach Attentaten mit Ohnmacht, aus der Erkenntnis heraus: Vor solch einem Wahnsinn gibt es keinen absoluten Schutz, er kennt keine Religion und keine Nationalität und lässt sich kaum verhindern. Die Suche nach einfachen Antworten liegt nahe, nach der Verallgemeinerung, der Ruf nach schärferen Gesetzen, nach Ausweisungen, der misstrauische Blick auf Flüchtlinge. Mehr Polizei und mehr Überwachung können Attentate erschweren, einen garantierten Schutz bieten aber auch sie nicht. Das hat sich beim Attentat im Konzertsaal Bataclan in Paris gezeigt - die Täter waren zum Teil polizeibekannt."
"Stuttgarter Nachrichten": "Forderungen nach schärferen, härteren Gesetzen sind nach solchen Taten fehl am Platz. Sie werden allenfalls ein Quäntchen mehr Sicherheit bringen, im Gegenzug aber die Freiheitsrechte der Bevölkerung drastisch einschränken und das Leben in einer freien und selbstbestimmten Gesellschaft zunehmend einschränken. Denn bislang fehlt es an jedem Beweis, dass durch schärfere Gesetze - und nicht etwa durch Hinweise anderer Nachrichtendienste - Anschläge in Deutschland verhindert worden sind. Wer unter dem Eindruck von Nizza, Jerusalem und Würzburg nach der harten Hand des Staates ruft, schlägt mit der Axt auf die Freiheit."