Pressestimmen aus dem Ausland Der Elefant Kohl ist immer noch da
Die liberale österreichische Zeitung "Der Standard" (Wien) meint zur Spendensammlung des früheren Bundeskanzlers:
"Helmut Kohl ist ganz der Alte geblieben. Der deutsche Alt- Bundeskanzler glaubt noch immer, dass man mit Geld alles richten kann. Ein paar Telefonate mit Bekannten aus der Wirtschaft und der Unterhaltungsbranche, und schon sind mehr als umgerechnet 42 Millionen Schilling zusammen. Der durch sein Verschweigen der anonymen Spender entstandene finanzielle Schaden ist damit gedeckt. Damit Schwamm drüber und alles vergessen, so Kohls Erwartung. Der politische Alltag kann weiterlaufen wie bisher.
Doch mit Kohls Sammelaktion ist längst nicht alles erledigt. Voraussetzung für die Vergebung einer Sünde ist, dass auch die Einsicht vorhanden ist, einen Fehler begangen zu haben. Doch Kohl will einen Ablass ohne Schuldeingeständnis. Der ehemalige Regierungschef bleibt dabei, dass sein Ehrenwort mehr gilt als ein Gesetz. Er offenbart damit, dass er nach wie vor kein Unrechtsbewusstsein hat. Mit dieser Aktion schadet Kohl der Partei auch mehr, als er ihr nützt."
"Corriere della Sera" (Mailand):
"Der Ausweg, den Kohl mit seiner neuerlichen Spendenaktion gefunden hat, gefällt vielen nicht. Der CDU macht vor allem Kohls Ankündigung Sorgen, dass er so bald wie möglich wieder seinen Posten und seine Aktivitäten im Bundestag aufnehmen will.
Diejenigen in der Partei, die geglaubt haben, sie hätten den einstigen Vater und Vorsitzenden Kohl in der CDU bereits ins Abseits gestellt, müssen sich eines Besseren besinnen. Der Elefant Kohl ist noch immer da."
"Il Messaggero" (Rom):
"Und der nicht-materielle Schaden, Doktor Kohl? Die politische Katastrophe, die Sie der CDU zugefügt haben, der Verlust bei den Umfragen, die politische Führungslosigkeit der Partei und die Niederlagen bei den Wahlen in Schleswig-Holstein? ...
Schwierig ist es allerdings, sich der Annahme zu entziehen, dass der Medien-Unternehmer Kirch, der jetzt eine Million Mark gespendet hat, nicht auch zu den alten Spendern gehörte. Und dass diese Geschenke etwas mit seiner Konzession für das Pay-TV zu tun haben."