Prügelknabe Fischer Tschuldigung!
Frankfurt/Main - Diese Entschuldigung gelte auch für alle Polizisten, die er während der Auseinandersetzungen Anfang der siebziger Jahre angegriffen habe, sagte Fischer am Donnerstagabend am Rande eines Gesprächs mit seinem israelischen Amtskollegen Schlomo Ben-Ami in Berlin.
Er sei schon sehr lange ein überzeugter Demokrat und habe mit der Gewalt gebrochen. Forderungen nach seinem Rücktritt lehnte Fischer ab. Gleichzeitig verwies er darauf, dass die Ereignisse schon mehr als 20 Jahre zurückliegen. Er habe schon in den siebziger Jahren erkannt, dass die Befürwortung von Gewalt und die Konfrontation "ein schwerer Fehler und großer Irrtum" gewesen sei.
Ein Blick auf die Homepage der Journalistin Bettina Röhl : Vier vermummte Demonstranten umkreisen einen Polizisten, schlagen ihn nieder und treten den am Boden liegenden Beamten. Die Fotoserie einer Schlägerei mit Beteiligung von Joschka Fischer während des Frankfurter Häuserkampfs im Jahr 1973 hatten am Donnerstag für große Empörung gesorgt. Bettina Röhl, die Tochter der RAF-Terroristin Ulrike Meinhof, war bei Recherchen auf die bislang unveröffentlichten Fotos aus der Frankfurter Hausbesetzerszene gestoßen.
Im "Stern" hatte sich der Grünen-Politiker offen zu seiner militanten Vergangenheit bekannt - und sich damit zunehmender Kritik ausgesetzt. Während der Großteil der Opposition Fischer am Donnerstag aufforderte, sich klar von seiner gewalttätigen Rolle bei den Hausbesetzerkrawallen Anfang der siebziger Jahre zu distanzieren, forderte der bayerische Innenminister Günther Beckstein sogar den Rücktritt des Außenministers. Auch wenn seine militante Vergangenheit im strafrechtlichen Sinne verjährt sei, bleibe es unerträglich, dass Deutschland einen ehemaligen Gewalttäter zum Außenminister habe, sagte Beckstein in München. Sogar bei den Grünen gab es kritische Töne.
CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer forderte gleich die Grünen als Ganzes auf, ihr Verhältnis zur Gewalt zu klären. Er warf Fischer vor, mit "Jugendsünden zu kokettieren" und "klammheimliche Freude" an gewalttätigen Auseinandersetzungen bei Castor-Transporten zu haben. Im Gegensatz zu Fraktionsvize Wolfgang Bosbach forderte Meyer aber nicht Fischers Rücktritt.
"Die Pose ist heute noch ähnlich"
Prominente Grüne wie der Parteivorsitzende Fritz Kuhn und Fischers langjähriger Weggefährte Daniel Cohn-Bendit verteidigten ihn gegen die Kritik. "Das Problem ist doch, zu der Person Joschka Fischer gehört seine Geschichte, seine Biografie", sagte Cohn-Bendit. Fischer habe aus der Geschichte gelernt. Ähnlich äußerte sich Kuhn.
Der Grünen-Bundestagsabgeordnete und einstige DDR-Bürgerrechtler Werner Schulz vermisste dagegen deutlicheren Abstand des Ministers zu seinen früheren Taten. "Die eindeutige Distanzierung muss auch zu Fischers Biografie gehören", sagte er der "Welt". Er warf seinem Parteifreund vor, die Vorfälle zur Selbstinszenierung zu nutzen: "Die Pose ist heute noch ähnlich wie auf den alten Fotos: ungebrochen selbstbewusst."