RAF-Prozess "Der General muss weg"
Benutztes Motorrad beim Buback-Mord (Archiv): "Im Kollektiv" geplant.
Foto: dapdStuttgart - "Der General muss weg." Das hätten alle Mitglieder der RAF bei der Planung des Anschlags auf den damaligen Generalbundesanwalt Siegfried Buback 1977 als gemeinsames Ziel ausgegeben, berichtete Bundesanwalt Rainer Griesbaum.
Er bezog sich in der Verhandlung gegen das Ex-RAF-Mitglied Verena Becker auf Angaben der früheren Terroristen im Prozess gegen Brigitte Mohnhaupt und Christian Klar, die ab 1984 unter anderem wegen gemeinschaftlichen Mordes an Buback, Jürgen Ponto und Hanns-Martin Schleyer angeklagt waren. Griesbaum war als Mitarbeiter der Bundesanwaltschaft Sitzungsvertreter in der Verhandlung.
Der Anschlag auf Buback sei "im Kollektiv" geplant worden, sagte Griesbaum, Abteilungsleiter Terrorismus bei der Bundesanwaltschaft, bei der Verhandlung am Donnerstag vor dem Oberlandesgericht Stuttgart. Becker ist als Mittäterin angeklagt. Nach Angaben von Griesbaum gibt es keine Hinweise, dass Becker selbst zu dem Anschlagskommando gehörte.
"Wir brauchten niemanden, der uns aus den Zellen sagt, wir sollen Buback erschießen - das haben wir selbst gewusst", zitierte Griesbaum den Terroristen Günter Sonnenberg. Buback war zum Ziel geworden, weil er nach den damaligen Überzeugungen der Terroristen die RAF vernichten wollte.
Zu der Frage, ob es eine Zusammenarbeit oder Einflussnahme des Verfassungsschutzes auf Becker geben könnte, sagte Griesbaum: "Es gibt nicht den geringsten Hinweis, dass es eine schützende Hand geben könnte." Der Nebenkläger und Sohn des Ermordeten, Michael Buback, hat dagegen "keinen Zweifel an der Zusammenarbeit".
Bei dem Anschlag im April 1977 wurden Buback und seine zwei Begleiter ermordet. Seit 42 Verhandlungstagen versucht das Oberlandesgericht Stuttgart, den Tatbeitrag Beckers zu klären. Michael Buback hält es nach der bisherigen Beweisaufnahme für wahrscheinlich, dass Becker die Schützin war. "Ob Becker oder nicht spielt keine Rolle. Mir geht es um die Wahrheit. Es ist auch in Ordnung, wenn sie es nicht war", sagte Buback in einer Verhandlungspause.