RAF-Terror: Bundesanwaltschaft wird in Mordfall Buback wieder aktiv - DER SPIEGEL
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RAF-Terror Bundesanwaltschaft wird in Mordfall Buback wieder aktiv

Die Bundesanwaltschaft hat sich nach ARD-Informationen mit der Wendung im Mordfall Buback beschäftigt, die ein SPIEGEL-Bericht am Wochenende ausgelöst hatte. Jetzt will sie eventuell die Ex-RAF-Terroristen Boock und Becker hören - und dann die Öffentlichkeit informieren.
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Berlin - Die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe hat sich nach ARD-Informationen am Sonntag mit den neu bekannt gewordenen Hinweisen zum Mord an Siegfried Buback im April 1977 befasst. Dabei habe man sich auch mit den Vorwürfen und Spekulationen um möglicherweise von Sicherheitsbehörden zurückgehaltene Aussagen damaliger RAF-Terroristen beschäftigt.

Am Montag wolle man eventuell die Ex-Terroristen Peter-Jürgen Boock und Verena Becker anhören. Generalbundesanwältin Monika Harms wolle dann die Öffentlichkeit am Montagnachmittag oder am Dienstag informieren. Zuvor hatten Politiker aller Parteien neue Untersuchungen zu dem Attentat gefordert.

Die Debatte ausgelöst hat ein Bericht des SPIEGEL, wonach Verfassungsschutz und Bundeskriminalamt seit Jahren glaubhafte Hinweise von RAF-Mitgliedern darauf haben, dass das Attentat 1977 auf Generalbundesanwalt Buback anders ablief als später von den Gerichten festgestellt. Die Sicherheitsbehörden hätten die Erkenntnisse aber zum Schutz ihrer Informanten nicht zur juristischen Auswertung freigegeben.

Boock sagte dem SPIEGEL, zum Mord-Kommando im Fall Buback hätten seines Wissens Günter Sonnenberg und Stefan Wisniewski gehört - wobei wohl Wisniewski die Schüsse abgegeben habe. Dass Wisniewski der Buback-Schütze gewesen sein soll und nicht Christian Klar, wird nach SPIEGEL-Informationen auch durch eine Aussage der Ex-Terroristin Becker bestätigt, die dem Verfassungsschutz seit den achtziger Jahren vorliegt.

Wisniewski, der wegen des RAF-Attentats auf Arbeitgeberpräsident Hanns Martin Schleyer 1977 zu lebenslanger Haft verurteilt und 1999 wieder freigelassen wurde, war bisher in Verbindung mit dem Mord an Buback nicht genannt worden. Stattdessen galt als gesichert, dass der auf einen Gnadenerlass hoffende Ex-Terrorist Christian Klar mit den inzwischen freigelassenen RAF-Mitgliedern Sonnenberg und Knut Folkerts für das Attentat verantwortlich war.

Fahndungsfotos von Sonnenberg, Folkerts, Klar, Wisniewski (v.l.): Wer schosss auf Siegfried Buback?

Fahndungsfotos von Sonnenberg, Folkerts, Klar, Wisniewski (v.l.): Wer schosss auf Siegfried Buback?

Foto: AP, DPA

Doch schon seit 1990 hat nach SPIEGEL-Informationen das Bundeskriminalamt (BKA) ernstzunehmende Hinweise darauf, dass der 1980 wegen des Buback-Mordes trotz spärlicher Beweise zu lebenslanger Haft verurteilte Folkerts sich am Tattag nicht in Deutschland aufgehalten hat.

Dem SPIEGEL liegen Vernehmungsprotokolle der früheren RAF-Angehörigen Silke Maier-Witt vor, die 1980 in der DDR untergetaucht war und nach dem Zusammenbruch der DDR enttarnt wurde. Die heutige Friedensaktivistin hat den Protokollen zufolge 1990 ausgesagt, Folkerts habe am Tattag, dem 7. April 1977, an der deutsch-holländischen Grenze in einem Auto auf sie gewartet und sei dann nach Amsterdam gefahren. Folkerts hat wie andere Ex-Terroristen bisher zu seiner Tatbeteiligung geschwiegen.

plö/dpa/AP