Rau: Kampf gegen das Bildungsproletariat - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Rau Kampf gegen das Bildungsproletariat

Wie sein Vorgänger Roman Herzog hat sich jetzt auch Bundespräsident Johannes Rau für eine umfassende Bildungsoffensive in Deutschland ausgesprochen. "Wir können nicht so weitermachen wie bisher", forderte das Staatsoberhaupt.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Berlin - Nur mit einer umfassenden und tiefgreifenden Bildungsoffensive könne Deutschland fit für die Herausforderungen der Globalisierung gemacht werden, sagte der Bundespräsident nach einem vorab verteilten Redetext bei einem Bildungsforum in Berlin. Er forderte mehr Geld für Aus- und Weiterbildung, neuen Schwung in der Hochschulpolitik und Anleitung im richtigen Umgang mit den neuen Medien. Nur wer moderne Computertechniken kompetent und kritisch nutze, könne auf dem Arbeitsmarkt bestehen.

Besonderen Wert legte Rau auf eine gute Schulausbildung junger Ausländer und die Erziehung junger Deutscher zu Toleranz und Weltoffenheit. Bildung sei eine der wichtigsten Voraussetzungen für ein friedliches Zusammenleben und die Integration von Ausländern. Ausländische Kinder müssten die deutsche Sprache gut und sicher beherrschen, ein "Bildungsproletariat" müsse vermieden werden. Rau kritisierte auch den weit verbreiteten Unterrichtsausfall.

Ausdrücklich plädierte der Bundespräsident gegen eine Schul- und Hochschulpolitik, die sich rein auf die Vermittlung von Fachwissen konzentriere. Lehrer und Professoren müssten neben solidem Wissen auch Fähigkeiten wie Eigenverantwortung, Urteilsvermögen, Kreativität und Verantwortungsbewusstsein fördern. "Was hülfen uns denn Wissensriesen, wenn sie die Gemüter von Zwergen hätten?", fragte der Präsident.