Rechnungshofpräsidentin von Wedel: Sperrzone für Online-Medien muss nicht bleiben - DER SPIEGEL
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Rechnungshofpräsidentin von Wedel Sperrzone für Online-Medien muss nicht bleiben

Die Präsidentin des Bundesrechnungshofes, Hedda von Wedel, misstraut Journalisten, die im Internet veröffentlichen, und schloss darum SPIEGEL ONLINE von einem Hintergrund-gespräch aus. Sie versprach aber, die Redaktion zu besuchen und sich über die Arbeit von Online-Journalisten zu informieren.
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Berlin - Frau von Wedel hatte am Dienstagabend im Rahmen eines Hintergrundgesprächs mit Journalisten durch eine Sprecherin erklären lassen, sie "möchte nicht mit Online-Medien sprechen". Darum hatte sie einen SPIEGEL-ONLINE-Redakteur des Raumes verweisen lassen, obwohl er sich zuvor regulär angemeldet hatte.

Anlass der Hintergrundrunde war die für heute angesetzte Veröffentlichung des Berichts der von Bundespräsident Johannes Rau berufenen Kommission zur Reform der Parteienfinanzierung unter Vorsitz der Rechnungshofpräsidentin.

Zu solcherart Gesprächen laden Politiker und Spitzenbeamte häufig ein, wenn sie vorab Informationen über Details ihrer Arbeiten und Pläne streuen wollen, die sie so deutlich bei offiziell anberaumten Pressekonferenzen nicht sagen wollen oder dürfen. Die entsprechenden Informationen dürfen in der Regel nur ohne Quellenangabe oder nach Ablauf einer Sperrfrist für die Berichterstattung verwendet werden.

Den Ausschluss von SPIEGEL ONLINE hatte die Sprecherin des Bundespräsidialamtes damit begründet, Frau von Wedel habe "schlechte Erfahrungen" mit Online-Medien gemacht. Diese würden sich an vereinbarte Sperrfristen nicht halten. Die Frage, ob sie dergleichen Erfahrung auch mit einem Mitarbeiter von SPIEGEL ONLINE gemacht habe, musste die Sprecherin verneinen.

Dazu erklärte Frau von Wedel heute, zur gestrigen Hintergrundrunde seien nur Journalisten der Printmedien wie Zeitungen und Zeitschriften geladen gewesen, um so die Einhaltung der für heute Mittag angesetzten Sperrfrist zu sichern, weil diese ohnehin erst am übernächsten Tag veröffentlichen könnten. "Bei Ihnen haben wir dagegen befürchtet, dass Sie von Ihren technischen Möglichkeiten Gebrauch machen würden", sagte die Chefin des Rechnungshofes.

Auf Nachfrage stellte sich jedoch heraus, dass Frau von Wedel über die Arbeitsweisen der Medien nur ungenau informiert ist. Denn zugelassen waren auch Kollegen der Nachrichtenagenturen, die ebenfalls sofort und rund um die Uhr berichten können. Tatsächlich meldeten gestern auch alle großen Agenturen Einzelheiten über die Vorschläge der Kommission vorab. Zudem fand das Gespräch lange Zeit vor dem Redaktionsschluss vieler Tageszeitungen statt.

Sie habe eben "T-Online-Journalisten" nicht dabeihaben wollen, sagte Frau von Wedel und offenbarte so, dass ihr der Unterschied zwischen einem Internetprovider und einem journalistischen Angebot im Netz nicht recht klar ist. Die Einladung zu einem Redaktionsbesuch bei SPIEGEL ONLINE nahm sie jedoch dankend an und versprach, sich bei ihrer nächsten Visite in Berlin in unserem Hauptstadtbüro zu melden. Vielleicht kann die vorläufig eingerichtete Sperrzone für Online-Medien am Hofe von Frau von Wedel dann wieder aufgehoben werden.