Rekordniveau Benzinpreis steigt weiter
Hamburg - Alle großen Ölkonzerne in Deutschland hoben am Mittwoch die Preise für Diesel und Benzin weiter an - obwohl der Rohölpreis nach Angaben der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) von 32,45 Dollar auf 31,18 Dollar je Barrel (159 Liter) gefallen ist. Mit der jetzigen Preisrunde haben die Kraftstoffpreise ein neues Rekordniveau erreicht: Ein Liter Diesel verteuerte sich um fünf Pfennige auf durchschnittlich 1,77 Mark je Liter. Benzin stieg um vier Pfennige. Normalbenzin kostet nun im Durchschnitt von 2,06 Mark, Super 2,11 Mark und Super plus 2,16 Mark je Liter.
Die Konzerne begründeten den Schritt mit den steigenden Preisen am internationalen Ölmarkt und ihrer schlechten Ertragslage. Allein von Montag auf Dienstag habe sich der Einkaufspreis für Diesel um 2,5 Pfennig je Liter verteuert. "Auch nach der Erhöhung werden die Kraftstoffe nicht kostendeckend verkauft", sagte Detlef Brandenburg von Aral.
In München und Schwerin zu kam es zu Protestaktionen von Lkw-Fahrern und Bauern gegen die hohen Spritkosten. In Schwerin blockierten Demonstranten aus Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg die Innenstadt. Mit ihrem Konvoi aus 50 Fahrzeugen ließen sie den Verkehr in der Landeshauptstadt zeitweise zusammenbrechen.
Bei Fuhrunternehmen, Taxibetrieben und in der Landwirtschaft Mecklenburg-Vorpommerns drohen nach Angaben von Berufsverbänden angesichts der hohen Spritpreise Pleitewellen. Von den 3000 Fuhrunternehmen im Land sind den Angaben zufolge ein Drittel existenziell bedroht. Von den 20.000 Arbeitsplätzen in der Landwirtschaft könnten bis zu einem Viertel verloren gehen.
In München protestierten mehrere Verbände des Verkehrs- und Transportgewerbes sowie der Bauernverband gegen die hohen Spritpreise und die Ökosteuer. Rund 50 Demonstranten fuhren mit insgesamt 20 Traktoren, Bussen, Lastwagen und Motorrädern vor die Parteizentralen von SPD und Grünen in der bayerischen Landeshauptstadt.
Dass es wegen der Demonstrationen ähnlich wie in Frankreich, Großbritannien und jetzt auch in Belgien zu Engpässen in der Versorgung mit Benzin in Deutschland kommen könnte, ist nach Überzeugung von Raffineriebetreibern unmöglich. "Wir werden nicht blind in die Dinge hineinlaufen", sagte der Geschäftsführer der Veba Ölverarbeitung, Heinz Philippi. Einzelheiten zu den laufenden "logistischen Vorbereitungen" wollte er jedoch nicht nennen. Die Raffinerien der Veba Ölverarbeitung beliefern bundesweit rund 3000 Tankstellen.