Ronald Pofalla besucht CDU in Moers und schweigt - DER SPIEGEL
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Pofalla in Moers Auftritt des Verstummten

Als Chef des Kanzleramts musste Ronald Pofalla ein Dauerkommunikator sein, Merkels Mann für deutliche Worte. Doch seit seinem Abschied aus der Spitzenpolitik und dem möglichen Wechsel zur Bahn hüllt sich der Niederrheiner in Schweigen. Ein Ortstermin.
Pofalla in Moers-Repelen: Spurt in den rettenden Saal
Pofalla in Moers-Repelen: Spurt in den rettenden Saal

Pofalla in Moers-Repelen: Spurt in den rettenden Saal

Foto: Roland Weihrauch/ dpa
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Das Phantom fährt in einem weißen Geländewagen vor, japanischer Hersteller, getönte Scheiben, Weseler Kennzeichen. Ronald Pofalla gleitet in seinem Auto vorbei an den Journalisten, die in der Kälte auf ihn gewartet haben, ab in die Tiefgarage. Für einen Moment ist er in Sicherheit, dort unten.

Doch als der frühere Kanzleramtsminister aus dem Kellergeschoss des Hotels in die Lobby emporsteigt, sind die Reporter wieder da und mit ihnen auch die Fragen: Wechselt er zur Bahn? Behält er sein Mandat? Darf man das?

"Guten Tag", sagt Ronald Pofalla und entschwindet aus dem Blickfeld der Kameras. Er eilt durch den Raum, die Kameraleute folgen ihm, ein Teller mit Gebäck fällt zu Boden und zerbricht. Pofalla spurtet in den rettenden Saal: Hinter verschlossenen Türen tagt im "Lindenzimmer" der CDU-Bezirksvorstand Niederrhein.

Der unwürdige Eilmarsch durch die Halle des Romantik-Hotels "Zur Linde" in Moers-Repelen (Slogan: "Leicht zu finden, schwer zu vergessen") ist der erste öffentliche Auftritt Pofallas seit seinem Rückzug aus der Spitzenpolitik. Im Dezember hatte der Chef des Kanzleramts überraschend bekanntgegeben, dass er aus privaten Gründen weniger arbeiten wolle, auch von der Gründung einer Familie mit seiner Lebensgefährtin war die Rede.

Nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen wiederholt Pofalla diese Darstellung vor seinen Parteifreunden am Freitag noch einmal. Explizit habe er von "Familiengründung" gesprochen, sagt einer, der dabei gewesen ist.

Pofalla schickt seinen Bezirksvertreter vor

Anfang Januar berichtete die "Saarbrücker Zeitung" jedoch, Pofalla werde in den Bahn-Vorstand berufen. Es entbrannte eine heftige Debatte darüber, ob ein Wechsel aus dem Kanzleramt in die Wirtschaft grundsätzlich möglich sei und welche Bedingungen dabei gelten müssten. Irgendwann räumte selbst die Kanzlerin ein, sie habe von derartigen Karriereplänen ihres Vertrauten schon einmal gehört.

Nur Ronald Pofalla sagte nichts, Schweigen. Seine Wähler ließ er ebenso im Unklaren wie den Kreisverband, dessen Einladung zur Frühjahrsklausur er nicht folgen mochte. Der dortige Vorsitzende, Günther Bergmann, sagte SPIEGEL ONLINE in einem Interview: "Die Stimmung ist katastrophal." Er habe viele Mails von Mitgliedern bekommen, die Wut und Empörung zum Ausdruck gebracht hätten. Inzwischen seien auch schon einige aus der Kreis-Klever-CDU ausgetreten, heißt es, wegen Pofalla.

Und auch am Freitagabend schickt Pofalla andere vor. Sein Stellvertreter als Bezirksvorsitzender, der Bundestagsabgeordnete Günter Krings aus Mönchengladbach, muss vor die Kameras. Besonders viel Spaß scheint ihm das nicht zu machen. "Wir haben einhellig festgestellt", sagt er, "dass zurzeit keine Entscheidungen anstehen." Pofalla werde den Bezirk weiterhin führen und auch sein Mandat als Bundestagsabgeordneter behalten. "Wir freuen uns", sagt Krings und lächelt etwas gequält.

Ehe weitere Nachfragen gestellt werden können, hastet der CDU-Mann davon. "Mehr kann ich Ihnen heute nicht dazu sagen." Sein Auftritt vor der Presse hat genau eine Minute und elf Sekunden gedauert. Ende der Durchsage.