Saar-Spitzenkandidat Lafontaine Der doppelte Oskar
Saarbrücken - Es gab eine überwältigende Mehrheit für Oskar Lafontaine: Die Saar-Linke zieht mit ihrem Bundesvorsitzenden als Doppel-Spitzenkandidat in die Landtags- und die Bundestagswahl. Die Delegierten wählten den ehemaligen SPD-Chef und Ex-Ministerpräsidenten am Samstag in Saarbrücken mit jeweils rund 93 Prozent auf die ersten Plätze der jeweiligen Landeslisten.
"Das ist ein Auftrag zu kämpfen, um unsere Ziele zu erreichen", sagte Lafontaine. Für den Fall einer Regierungsübernahme kündigte er an, man wolle versuchen, den von der CDU-Regierung verkündeten Ausstieg aus dem Bergbau wieder rückgängig zu machen. Privatisierungen wichtiger öffentlicher Betriebe werde es nicht mehr geben, und man werde versuchen, die Energieversorgung in kommunale Hand zurückzuholen. "Wir wollen hier an der Saar eine politische Erneuerung, und ich will wieder Ministerpräsident werden."
Im Saarland wird am 30. August ein neues Parlament gewählt. Lafontaine bekräftigte vor den rund 400 Mitgliedern in einer Saarbrücker Sporthalle den Anspruch der Linken, nach der Landtagswahl gemeinsam mit der SPD Regierungsverantwortung zu übernehmen. "Wir werden diese Zusammenarbeit auch dann suchen, wenn wir nicht stärker werden als die SPD. Wir sind ja keine Spinner", sagte der 65-Jährige. Sollte aber die Linke stärker werden, erwarte er eine Koalition "auf Augenhöhe". Dann gelte der Satz "wer stärker ist, stellt den Ministerpräsidenten".
Die SPD schließt eine Zusammenarbeit mit der Linkspartei zwar nicht aus, will aber auf keinen Fall als Juniorpartner in eine Koalition eintreten. Lafontaine kritisierte diese Haltung erneut als "apolitisch". Er betonte: "Ich möchte das Amt des Ministerpräsidenten hier an der Saar ohne Wenn und Aber wieder übernehmen." Der frühere SPD-Politiker hatte schon von 1985 bis 1998 in Saarbrücken regiert.
Der Landesverband der Linken hatte Lafontaine bereits auf einem Parteitag im August 2008 zum Spitzenkandidaten gekürt, aber erst jetzt fand die offizielle Aufstellung der Landeslisten statt.
Umfragen zufolge käme die Linke derzeit auf 22 Prozent der Stimmen, die SPD auf 23 Prozent. Die Union könnte auf 38 Prozent hoffen. Damit würde der seit 1999 alleinregierende Ministerpräsident Peter Müller seine absolute Mehrheit deutlich verfehlen. Lafontaine griff Müller scharf an. "Dieser Mann hat auf der ganzen Linie versagt."