AfD-Vize in Sachsen-Anhalt Tillschneider verteidigt russische Armeetasse im Büro
Hans-Thomas Tillschneider: Das Verhältnis des AfD-Politikers zu Russland spielte schon mehrfach eine Rolle
Foto: Ronny Hartmann / dpaEine Tasse mit Emblem der russischen Armee im Wahlkreisbüro von AfD-Politiker Hans-Thomas Tillschneider sorgt für Irritationen, nun wiegelt der Abgeordnete ab. Der AfD-Vize in Sachsen-Anhalt sieht in der Tasse offenbar kein Problem. »Es handelt sich um ein Mitbringsel von einer Russlandreise aus 2023 oder 2024, über das schon mehrfach berichtet wurde«, erklärte Tillschneider auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa. »Insofern verstehen wir die Skandalisierung nicht.«
Der Journalist Paul Ronzheimer hatte die schwarze Tasse mit rotem Stern und der Aufschrift »Armee Russlands« in kyrillischen Buchstaben bei einem Besuch in Tillschneiders Wahlkreisbüro in Querfurt entdeckt und gefragt: »Warum haben Sie eine russische Armeetasse hier stehen?« Tillschneider antwortete: »Die hat mir jemand geschenkt. Ich wollt’ sie jetzt nicht wegtun.«
Ronzheimer wies darauf hin, dass es sich um die Armee handele, die die Ukraine angreift, die in Deutschland einen hybriden Krieg führe. »Ich verbinde damit nichts Besonderes. Es ist eine Tasse, die mir hier geschenkt wurde, die hier rumsteht«, antwortete Tillschneider, und weiter: »Es ist nicht unser Krieg.« Auf eine weitere Nachfrage zu seinem Verhältnis zur russischen Armee sagte der AfD-Politiker: »Jetzt hören Sie mit dieser blöden Tasse auf, ja. Es sind sozusagen weder Feinde noch Freunde. Staaten haben keine Freunde, Staaten haben Interessen.«
Ausstrahlung des Videos sollte verhindert werden
Tillschneider habe laut Ronzheimer hinterher versucht, die Veröffentlichung des Videos zu verhindern. In seinem Podcast sagt er dazu: »Das sind freie Medien, und das lassen wir uns natürlich nicht nehmen.« In seiner kurzen Stellungnahme an die dpa erklärte der AfD-Politiker: »Die Veröffentlichung sollte aufgrund des impertinenten Verhaltens des Herrn Ronzheimer und seines Teams unterbunden werden.«
Tillschneider ist stellvertretender Fraktionsvorsitzender im Landtag und stellvertretender Landeschef der AfD in Sachsen-Anhalt, die vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestuft ist. Er wird als möglicher Minister gehandelt für den Fall, dass die AfD nach der Landtagswahl am kommenden Sonntag Regierungsverantwortung übernimmt.
Erst in der vergangenen Woche hatte Tillschneider eine Podcastaufnahme mit der kritisch nachfragenden Journalistin Melanie Amann in Berlin abgebrochen und das Studio verlassen. »Ich habe gedacht, es geht hier um mein Buch. Ich habe gedacht, es geht um meine Person. Sie fragen mich zu Björn Höcke, zu sonst wem«, sagte Tillschneider am Ende der Folge im Funke-Medien-Podcast »Amann unframed«. »Und deswegen will ich das hier jetzt beenden. So muss ich mich nicht behandeln lassen.«
Tillschneiders Verhältnis zu Russland hat in der Vergangenheit immer wieder eine Rolle gespielt. Im September 2022 war er einer von drei AfD-Politikern, die nach Russland reisten und auch einen Besuch in der besetzten Ostukraine geplant hatten. Die AfD-Spitze distanzierte sich damals, die Politiker brachen ihre Reise ab. Vertreter anderer Parteien warfen der AfD vor, auf der Seite von Russlands Präsident Wladimir Putin zu stehen.
Im Wahlprogramm der AfD, das Regierungsprogramm genannt wird, heißt es: »Deutschland und insbesondere Sachsen-Anhalt haben sowohl in ökonomischer als auch in kultureller Hinsicht ein großes Interesse an guten Beziehungen zu Russland. Die aktuelle russlandfeindliche Politik der Altparteien wiederum liegt nicht in deutschem Interesse.« Sie spalte Europa in fremdem Interesse, heißt es dort weiter.
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