Scharping Der ewige Pechvogel
Hamburg - Völlig überraschend sieht er sich 1995 der ersten Kampfabstimmung um den SPD-Vorsitz überhaupt gegenüber, als ihm Oskar Lafontaine handstreichartig den Parteivorsitz nimmt. Scharping bleibt loyal - auch als er nach der Bundestagswahl gegen seinen Willen nicht mehr SPD-Fraktionschef im Bundestag sein darf und ins Amt des Verteidigungsministers gedrängt wird.
Dort ist er erfolgreich. Doch dann vergisst ihn im Juni dieses Jahres die Luftwaffe auf dem Weg zum EU-Gipfel nach Portugal am Kölner Flughafen. Erst in der Luft fragt ein Mitglied der Scharping- Delegation: "Wo ist eigentlich Rudolf?" Die Flugbereitschaft der Luftwaffe kehrt um und holt ihren obersten, allein gelassenen Dienstherrn ab.
Auch sein privates Hobby, Rad fahren, hinterlässt mehrfach Blessuren. 1996 stürzt er in seinem Heimatland Rheinland-Pfalz und zieht sich schwere Kopfverletzungen zu. Der begeisterte Rennfahrer fällt bei hohem Tempo. Zwei Wochen verbringt er im Krankenhaus, vier Tage davon auf der Intensivstation.
Im Mai 1999 bricht sich der Verteidigungsminister den Unterarm. Er ist wieder vom Rad gefallen - bei einer Tour auf Mallorca. Bei den folgenden politischen Amtsgeschäften trägt er einen Gipsverband.
Ins Fettnäpfchen der Partei tritt er während der SPD-Krise Ende 1999. An einer Bar auf einem Luftwaffenstützpunkt soll er gesagt haben, er traue sich das Amt des Kanzlers zu. Er dementiert heftig, dass dies ein Auftakt zum Machtkampf mit Kanzler Gerhard Schröder gewesen sei.
Dass er so langsam redet und damit auch ein "Fall für Kabarettisten" ist, lässt Rudolf Scharping kalt. "Den Vorwurf, ich redete zu langsam, halte ich für einen vertretbaren Vorwurf, solange er nicht mit dem Vorwurf verbunden ist, ich dächte zu langsam."
Für seine neue Freundin - Scharping hat sich nach 29 Jahren Ehe von seiner Frau Jutta getrennt - ist er sogar "unglaublich spontan" - und ein absoluter Glücksfall zudem. "Ich habe noch nie mit einem Mann so viel gelacht", sagt Kristina Gräfin Pilati-Borggreve, eine Frankfurter Star-Anwältin.
Matthias Schröter, dpa