Schill und Co. Die Ein-Mann-Ein-Thema-Show
Hamburg - Der Mann genügt sich selbst. Triumphiweerend blickte er am Sonntagabend in die Meute der Journalisten, die den eigentlichen Sieger des Wahlabends aus allen Perspektiven ablichten wollten. Doch der Gründer und Vorsitzende, Ronald Barnabas Schill, ist mehr als nur Repräsentant der Partei, er ist die Partei. Aus gutem Grunde heißt seine "Rechtsstaatliche Offensive" auch Schill-Partei. Einer für alle...
Alle, das sind in diesem Fall ein kleines Grüppchen Unerschrockener und Unerfahrener, die angetreten sind, die (Hamburger) Welt zu verbessern - oder, um im Schillschen Wortlaut zu bleiben, "sicherer zu machen". Sie alle haben eines gemeinsam: Sie verfügen, von wenigen Ausnahmen abgesehen, über keinerlei Politikerfahrung.
Schills wichtigste Stützen sind zwei Frauen. Zum einen ist da seine Lebensgefährtin, Katrin Freund. Sie war am Wahlabend auch im Hamburger Congress Centrum anwesend, während der Rest der Mannschaft das Wahlergebnis schaukelnd auf einem Schiff auf der Elbe feierte. Die Blondine aus Wandsbek gilt als größte Hilfe des politischen Neulings. Um den Wahlkampf vorzubereiten, hängte die 34-Jährige ihren Job als Maklerin erst mal an den Nagel. Eine für einen.
Psychologie für Populisten
Neben der kaufmännischen Angestellten macht sich auch die Psychologin Elfi Horak um Schills Karriere verdient. Nach anfänglichen Schwierigkeiten macht der 49-Jährige bei seinen Auftritten jetzt einen abgeklärteren, professionelleren Eindruck. Ihr Kurs "Demagogie für Anfänger" scheint von Erfolg gekrönt - Schills Reden sind gespickt von rhetorischen Fragen, die darauf abzielen, Sozialneid zu wecken. Noch vor einigen Monaten hatte der beurlaubte Amtsrichter, der sich gerne im staatsmännischen Dreireiher präsentiert, die Contenance verloren und bei einer Wahlkampfveranstaltung Demonstrationen als "hirnloses Pack" beschimpft.
Den harten Kern der Schill-Truppe kann man auf der Homepage der Partei (www.schill-partei.de) besichtigen. Die rechtsstaatlich-offensiven Mitstreiter sind eine bunte Mischung - eine Journalistin ein Soldat, ein Rentner, ein Rechtsanwalt, ein Gastronom. Letzterer ist Peter Müller. Er gleicht von der Konstitution einem Schwergewichtler und machte sich im Wahlkampf auch schon mal als Rausschmeißer verdient - wenn die Jusos gegen die Populisten-Partei lautstark Front machten.
Die Parteien-Hopper
Eine der wenigen politisch erfahrenen Figuren in der Schill-Mannschaft ist Manfred Silberbach, Jahrgang 1935. Der umtriebige Rentner hat nach langem Irrwegen im Parteien-Spektrum nun offenbar seine politische Heimat gefunden. Als langjähriges SPD-Mitglied, Silberbach war 40 Jahre in der Partei, und Mitstreiter der Protest-Gruppierung Statt-Partei trommelt er heute für "Richter Gnadenlos" und gegen die noch regierenden "verfilzten Sozialdemokraten".
Auch Mario Mettbach, 49, ist parteienerprobt. Seine Karriere reichte vom Stellvertreter eines kleinen CDU-Ortsverbandes bis hin zum Sprecher der Statt-Partei, die nach nur einer Legislaturperiode aus der Bürgerschaft gekickt wurde. Mettbach hofft nun, die schlechten Erfahrungen mit der Statt-Partei einbringen zu können, damit sich diese nicht wiederholen.
Und noch ein anderes enttäuschtes Parteimitglied hat Schill für sich gewinnen können: Dirk Nockemann war früher Juso-Mitglied und arbeitet heute als Leiter des Landesamtes für Asyl- und Flüchtlingsangelegenheiten in Mecklenburg-Vorpommern. Eine etwas pikante Symbiose. Schließlich wettert der Vereinsvorsitzende Schill vor allen Dingen gerne gegen die kriminellen Ausländer im Land und fordert, das Grundrecht auf Asyl komplett abzuschaffen - weil dies eine "weltweite einzigartige Rechtsweggarantie" sei.
Wer macht was?
Ein Schattenkabinett hat Parteiengründer Schill vor der Wahl wohlweislich nicht mitgeteilt. Zu bunt und durcheinander gewürfelt wirkt die Truppe. Doch eigentlich ist es auch egal, wer mit Schill in den Ring steigt. Mit seinem Wahlergebnis und seinem missionarischen Eifer braucht der Jurist keine starke Partei im Rücken. Das Thema Innere Sicherheit scheint auszureichen, um die Wählerschaft zu mobilisieren. Hamburgweit wählte fast jeder Fünfte den Hardliner. Im Problemstadtteil Wilhelmsburg kamen Schill und Co. sogar auf mehr als 34 Prozent - hier hat die Ein-Mann-Partei bereits den Status einer Volkspartei.
Selbstbewusst kündigte der rechtslastige Verführer nur eine Stunde nach der ersten Prognose am Wahlabend an: "Wir werden eine Koalition mit der CDU und der FDP eingehen" und: "Wir werden unseren Worten endlich Taten folgen lassen." Was das heißt, machte Schill eindrucksvoll im Wahlkampf deutlich: Er will den "Drogen dealenden Schwarzafrikaner und dem Messer stechenden Türken" ans Leder. Einer gegen alle.