Schills harte Hand: "Ich werde sterben!" - DER SPIEGEL
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Schills harte Hand "Ich werde sterben!"

Erster Zwischenfall für Hamburgs Innensenator Schill: Ein mutmaßlicher Drogenhändler erlitt beim Einflößen eines Brechmittels einen Herzstillstand, Ärzte kämpfen um sein Leben. Kann Senator Gnadenlos seine harte Linie fortsetzen?
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Hamburg - Der aus Kamerun stammende Mann wurde auf eine Intensivstation des Universitätskrankenhauses gebracht, teilte die Justizbehörde mit. Er schwebte am Abend in akuter Lebensgefahr.

Der bei der Polizei als Rauschgifthändler bekannte 19-Jährige hatte sich massiv gegen die Verabreichung des Mittels im Institut für Rechtsmedizin gewehrt. Mehrere Polizeibeamte mussten den Tobenden festhalten. Erst im dritten Anlauf habe die zuständige Ärztin dem Mann eine Magensonde einführen und das Brechmittel verabreichen können, berichtete Klaus Püschel, Leiter des Rechtsmedizinischen Instituts. Zuvor habe der Festgenommene geschrien: "I will die!" (Ich werde sterben). In seinem Magen- und Darmtrakt wurden 41 Rauschgiftkugeln entdeckt, die er vermutlich vor seiner Festnahme geschluckt hatte, um Beweismittel zu vernichten.

Warum der mutmaßliche Dealer zusammenbrach, konnte Püschel zunächst nicht sagen. Denkbar sei, dass durch das Legen der Magensonde ein Reflex von Nerven ausgelöst wurde, die mit dem Herzen in Verbindung stehen. Eine erste Untersuchung habe ergeben, dass der 19-Jährige keinen Alkohol und keine Drogen im Blut hatte. Wegen der heftigen Gegenwehr des Mannes sei nicht überprüft worden, ob dieser an schweren Krankheiten litt. Es sei denkbar, dass er in den nächsten Tagen sterbe. Wahrscheinlich habe er schwere Hirnschäden davongetragen. In den zehn Jahren, in denen in Deutschland Brechmittel zur Beweissicherung verabreicht werde, habe es keinen vergleichbaren Fall gegeben.

Innensenator Ronald Schill (Schill) und Justizsenator Roger Kusch (CDU) sprachen von einem schlimmen Vorfall und kündigten eine genaue Untersuchung durch die Staatsanwaltschaft an. "Wir waren immer der Meinung, dass die körperliche Unversehrtheit und das Leben auch von potenziellen Straftätern ein höchst möglich zu schützendes Gut ist. Daran wird sich auch künftig nichts ändern", sagte Kusch. An der Praxis des Brechmitteleinsatzes solle aber festgehalten werden.

Es handle sich offenbar um einen sehr bedauerlichen Einzelfall, sagte Schill. Die Vergabe von Brechmitteln bei der Bekämpfung der Rauschgiftkriminalität wurde in Hamburg im vergangenen Juni vom damaligen Innensenator Olaf Scholz (SPD) eingeführt. Im Institut für Rechtsmedizin im Universitätskrankenhaus Hamburg-Eppendorf wird mutmaßlichen Dealern der Pflanzensirup Ipecacuanha (Brechwurzelsaft) eingeflößt. Der Kameruner habe eine Mixtur aus 30 Milliliter Brechwurzelsaft und 800 Milliliter Wasser erhalten.