Deutsch-sowjetische Partnerschaft Kreml hoffte auf Helmut Schmidt
Leonid Breschnew (l.) mit Helmut Schmidt (1981)
Foto: Heinrich Sanden/ picture alliance / dpaIm Frühjahr 1978 stand Kanzler Helmut Schmidt (im Amt von 1974 bis 1982) auf dem Höhepunkt seines internationalen Ansehens. Die westdeutsche Wirtschaft boomte, Politiker aus aller Welt suchten das Gespräch mit dem Sozialdemokraten.
Auch der greise sowjetische Generalsekretär Leonid Breschnew hatte sich in Bonn angesagt. Wie ein nun veröffentlichtes Dokument zeigt, verfolgte der Kreml-Chef ein besonderes Ziel. Er hoffte offenbar, er könne die Bundesrepublik aus der Nato und der Europäischen Gemeinschaft (EG) lösen.
Kurz vor der Anreise notierte Breschnews außenpolitischer Mitarbeiter Anatolij Tschernjajew, "das Hauptziel ist es, Westdeutschland zu uns zu ziehen, sodass es uns als Partner Nr. 1 wählt, und nicht die USA". Eine solche Verbindung würde sich für Moskau ökonomisch lohnen, argumentierte Tschernjajew.
Die Sowjets wollten mit Hilfe deutscher Technologie ihr marodes Imperium modernisieren und im Gegenzug Rohstoffe anbieten. Außerdem sei bei einer engen Kooperation, so Tschernjajew, "ganz Osteuropa zwischen uns".
Offenbar erwog der Kreml, seine Vorherrschaft über Polen mit den Deutschen zu teilen, was eine ungute Tradition fortgeschrieben hätte. Immer wieder haben sich Russen und Deutsche in den letzten Jahrhunderten auf Kosten Polens verständigt, zuletzt im Hitler-Stalin-Pakt 1939.
Eine Wiedervereinigung lehnte Tschernjajew allerdings ab. Dennoch glaubte er, die Westdeutschen fänden ein Bündnis mit Moskau attraktiv: "Sie verstehen, dass sie ihre Großmachtträume nur in einer Allianz mit uns verwirklichen können." Dabei war Schmidt überzeugter Atlantiker. Von seinem Besucher Breschnew wollte er vor allem eines: ein Ende der sowjetischen Hochrüstung.
Tschernjajews Notizen hat nun die private Organisation National Security Archive in Washington veröffentlicht.