SPD Austrittswelle durch Reformdebatte
Berlin - Danach sollen die Mitgliederverluste der Sozialdemokraten vor allem in Bayern vergleichsweise drastisch sein. So habe der bayerische SPD-Landesverband von Januar bis Ende fast 2000 Mitglieder verloren, im gleichen Quartal des Vorjahres waren es nur 1650 gewesen, erfuhr die Nachrichtenagentur dpa bei der Umfrage in SPD-Landesgeschäftsstellen.
Bei den Eintritten habe sich die umgekehrte Entwicklung gezeigt: Während es im ersten Quartal 2002 noch mehr als 1000 neue Mitglieder gab, bewarben sich dieses Jahr bis Ende März nur gut 400 Menschen neu um das SPD-Parteibuch. Die Mitgliederverluste gehen allerdings nicht alle auf möglichen Unmut mit der Parteilinie zurück. In der Statistik werden auch Wegzüge und Todesfälle mitgezählt.
In Hessen traten im ersten Quartal mehr als 600 Menschen aus der SPD aus. Der saarländische SPD-Chef Heiko Maas hatte ebenfalls einen Rückgang der Mitgliederzahl auf Grund der Reformpläne von Kanzler Gerhard Schröder beklagt.
Der SPD-Landesverband Rheinland-Pfalz meldet dagegen nur geringfügige Verluste. "Wir merken, dass es für unsere Mitglieder schwierig ist, die Reform des Sozialstaats mitzugehen", sagte zwar SPD-Generalsekretär Roger Lewentz am Montag der dpa in Mainz. Einen Mitgliederschwund wie etwa in Hessen und im Saarland gebe es in Rheinland-Pfalz aber nicht: Die Mitgliederzahl sei im ersten Quartal nur von 55.980 auf 55.836 gesunken. "Wir haben keinen Grund zum Jammern", sagte Lewentz.
In Berlin halten sich nach Angaben des SPD-Landesvorsitzenden
Peter Strieder Ein- und Austritte mit je rund 50 die
Waage. Diese Zahlen beziehen sich aber nur auf Januar und Februar. Das sei völlig unspektakulär.
Verluste auch in Niedersachsen und im Osten
Aus Unzufriedenheit über die Politik von
Kanzler Gerhard Schröder (SPD) ist offenbar auch in Niedersachsen die Zahl
der Parteiaustritte bei den Sozialdemokraten gestiegen. Im März verließen 252
Mitglieder die SPD, im Februar 132, sagte der Geschäftsführer des
SPD-Landesverbandes, Heino Wiese. Einige Mitglieder hätten
die Reformpolitik des Kanzlers als Begründung für ihren Schritt
angegeben. "Es ist aber im Moment nicht so, dass es eine dramatische
Entwicklung wäre. Wir haben auch viele neue Mitglieder", sagte Wiese. Einige Sozialdemokraten hätten die
Reformpolitik des Kanzlers als Begründung für ihren Schritt
angegeben.
Im Februar habe es landesweit 184 Eintritte gegeben, im März 118.
"Vor allem junge Leute kommen jetzt zu uns, die unsere
Friedenspolitik begrüßen", erläuterte der SPD-Landesgeschäftsführer.
Insgesamt sank die Zahl der Mitglieder in Niedersachsen auf derzeit rund 88.500,
Anfang 2002 hatte sie noch bei rund 92.000 gelegen.
In Thüringen kehrten seit Februar insgesamt 52 Mitglieder der Partei den
Rücken, berichtete die Landesgeschäftsstelle auf Anfrage. Dabei
seien Todesfälle und Umzüge nicht mitgerechnet. Neu hinzu kamen 27
Mitglieder.
In Sachsen ist die Zahl der Austritte vergleichsweise gering. Aus Protest gegen die Sozialreform-Pläne von
Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) haben bisher 19 sächsische
SPD-Mitglieder ihrer Partei den Rücken gekehrt. "Wir sehen darin
keine große Austrittswelle, auch wenn jeder Fall bedauerlich ist",
sagte Parteichefin Constanze Krehl am Montag auf dpa-Anfrage. Es gebe
keinen Grund zur Panik. Die Sachsen-SPD hat derzeit 4905 Mitglieder.
Landeschefs streiten um SPD-Sonderparteitag
Am Montag sprach sich die sächsische Parteichefin gegen einen
Sonderparteitag der SPD zum Thema Sozialreform aus. Nur gegen die
Reformpläne zu sein, sei zu wenig. "Man müsste schon eigene
Vorschläge machen".
Auch der bayerische SPD-Landeschef Wolfgang Hoderlein wies die
Forderung nach einem SPD-Sonderparteitag zurück. "Das ist jetzt kein
Thema", sagte er nach Angaben seines Sprechers. Die Diskussion um das
SPD-Reformprogramm könne in den nächsten Wochen bei den vier großen
Regionalkonferenzen geführt werden, zu denen Bundeskanzler
Schröder jeweils als Hauptredner erwartet werde.
Dagegen hat sich ausgerechnet der Hamburger Landesverband, dem der SPD-Generalsekretär Olaf Scholz vorsteht, gegen die Regierungspläne gewandt. Die Genossen von der Elbe haben den Sonderparteitag beantragt. Scholz' Kommentar zu seiner Schlappe im "Hamburger Abendblatt": "Das ist nicht erfreulich, aber auch nicht weiter tragisch". Denn ob die notwendige Mehrheit für solch einen Parteitag - zwei Fünftel aller SPD-Bezirke - zustande kommt, sei sehr fraglich.
Die Berliner SPD unterstützt die Initiative aus Hamburg, einen
Sonderparteitag zu den in der Partei umstrittenen Sozialreformen
Schröders einzuberufen. "Aber nicht, um die Politik Schröders zu
kritisieren, sondern um sie zu unterstützen", meinte der landesvorsitzende Strieder. Die
angestrebten Reformen seien schließlich notwendig, um Deutschland zu
modernisieren.