SPD: Ein Hauch von Lafontaine - DER SPIEGEL
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SPD Ein Hauch von Lafontaine

Am Sonntag wird Franz Müntefering zu Gast auf dem Parteitag der Saar-SPD sein. Möglicherweise wird der SPD-Chef dabei Oskar Lafontaine die Hand reichen. Vor allem die SPD-Linke hält den Zeitpunkt für gekommen, das Verhältnis zum hassgeliebten Dissidenten wieder zu normalisieren.
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Berlin - Für den saarländischen SPD-Chef Heiko Maas wäre es ein kleiner Erfolg. Zäh hat der Mann, der noch immer im Schatten von Oskar Lafontaine steht, hinter den Kulissen daran gearbeitet, dass das angespannte Verhältnis des einstigen SPD-Stars zur Parteiführung in Berlin wieder normalisiert wird.

Möglich, dass es schon am Sonntag dazu kommt, wenn SPD-Parteichef Franz Müntefering auf dem Parteitag der saarländischen SPD auf Lafontaine trifft. Ein Handschlag vor den Kameras - das wäre zumindest von hoher Symbolik. Noch auf der 140-Jahr-Feier der SPD im vergangenen Jahr in Berlin war Lafontaine, der 1999 sein Amt als Parteichef und als Bundesfinanzminister im Streit mit Gerhard Schröders Kurs abgelegt hatte, nicht eingeladen worden. Übel nehmen ihm noch heute auch viele seiner Weggefährten die Art seines Abgangs, der einer Flucht glich. Die Parteilinke stand plötzlich ohne Gallionsfigur da.

Zudem hat der Kapitalismuskritiker Lafontaine seine Kritik an der Partei ausgerechnet in eigenen Kolumnen der für sozialistische Umtriebe unverdächtigen BILD abgelassen. Allerdings: In den vergangenen Wochen hatte er sich auf Wahlkampfveranstaltungen im Saarland mit Kritik an den Berliner Genossen zurück gehalten - ein Anzeichen dafür, dass auch ihm an einer Entspannung mit der Parteispitze im Bund gelegen ist.

Doch nicht alle sind für einen Versöhnungskurs. Der neu gewählte Juso-Bundesvorsitzende Björn Böhning erklärte am Samstag: "Wir brauchen neue Köpfe in der SPD, und zu denen gehört Lafontaine nicht", sagte dagegen der neue Juso-Chef Böhning der Agentur AP. "Das Gespenst Lafontaine geistert immer wieder durch die SPD, wenn sie in einer schwierigen Situation ist. Das hilft uns nicht weiter." Lafontaine hätte der SPD geholfen, wenn er sein Ministeramt nicht verlassen hätte. Nun halte er von einer einer Wiederannäherung "gar nichts".

Dennoch beschleicht manchen führenden Genossen die Angst, Lafontaine könnte wieder an Einfluss gewinnen. Der nordrhein-westfälische Landeschef Harald Schartau erklärte, keinesfalls dürfe Lafontaine erneut eine "wichtige Rolle in der SPD spielen. Bei mir hat Lafontaine verschissen." Lafontaine sei als Kapitän in stürmischer See von Bord gegangen und hat "unser Vertrauen für immer verspielt", so Schartau in der "Bild am Sonntag".

Dagegen zeigten sich Vertreter der Linken erfreut über eine mögliche Annäherung. "Oskar ist und bleibt Sozialdemokrat - es ist besser, er macht bei uns mit als bei irgendwelchen Hasardeuren", sagte der SPD-Fraktionsvize im Bundestag, Michael Müller, der "Bild am Sonntag". Auch SPD-Vorstandsmitglied Hermann Scheer sagte demselben Blatt: "Ich war immer gegen eine Ausgrenzung Oskars." Von einer Normalisierung des Verhältnisses würden beide Seiten profitieren.

Am weitesten ging die SPD-Abgeordnete Sigrid Skarpelis-Sperk. "Ein Händeschütteln ist nicht genug. Lafontaine und Müntefering sollten ein ernsthaftes Gespräch führen über die künftige Strategie der SPD", so ihre Forderung. Alle müssten miteinander den Karren aus dem Dreck ziehen.

Allerdings: Skarpelis-Sperk dürfte mit ihrer Ansicht alleine stehen. Die Abgeordnete ist schon seit langem eine der schärfsten Kritikerin des rot-grünen Reformkurses. Die Quittung erhielt sie im vergangenen Jahr auf dem SPD-Parteitag in Bochum - die Delegierten wählten sie nicht mehr in den Bundesvorstand.