SPD Genossen wollen Beck als Dauerchef
Berlin - Die SPD-Linke Andrea Nahles wandte sich gegen die Ansicht, Beck sei lediglich ein Übergangschef. "Ich glaube, Kurt Beck ist ein starker Parteivorsitzender in der Zukunft", sagte Nahles im WDR. "Und er ist auch fit." Der Wechsel an der Parteispitze dürfe die grundsätzliche Überarbeitung der Parteipositionen nicht bremsen. "Dass wir auch ein neues Grundsatzprogramm brauchen, das wissen wir seit Jahren", sagte Nahles. "Da werden wir auch in unverminderter Geschwindigkeit weiter dran arbeiten."
Ähnlich äußerte sich SPD-Vorstandsmitglied Niels Annen. Er traue Beck "uneingeschränkt zu, dass er die Partei lange führen kann", sagte Annen "tagesschau.de". Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident werde "definitiv kein Übergangsvorsitzender sein. Ich richte mich auf eine lange Amtszeit ein, und ich werde ihn dabei unterstützen."
Beck selbst hatte bereits gestern Abend seine Absicht geäußert, für längere Zeit an der Spitze der Partei stehen zu wollen. "Es ist sicher gut, wenn wir eine Phase der Kontinuität an der Parteispitze haben. Ich will das so machen, dass nicht schon in wenigen Jahren ein Personalwechsel angezeigt ist", sagte Beck im ZDF. In einem Gespräch mit der "Mainzer Allgemeinen" stellte der SPD-Politiker einen Vergleich mit Altkanzler Helmut Kohl (CDU) an: "Übergangsvorsitzender, das hat man schon, quer durch alle Parteien, über manche gesagt, auch über einen, der mal aus Mainz kam und dann als Kanzler sehr lange regiert hat", sagte Beck. Wenn der liebe Gott ihn gesund bleiben lasse, "dann werde ich meinen Beitrag leisten, dass meine Zeit als SPD-Vorsitzender nicht nur eine Episode bleibt", fügte der 57-Jährige hinzu.
Beck schloss zudem nicht ausdrücklich aus, bei der nächsten Bundestagswahl als Kanzlerkandidat der SPD anzutreten. Der Parteivorsitzende habe in dieser Angelegenheit ein erstes Zugriffsrecht, sagte Beck. Diese Frage stelle sich derzeit aber nicht. Noch gestern nahm der designierte SPD-Chef Kontakt mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auf. Man habe gegenseitig betont, als "verlässliche Partner" zusammenzuarbeiten, sagte Beck heute in Mainz. Nach Ostern wolle er mit Merkel und mit CSU-Chef Edmund Stoiber zu einem persönlichen Gespräch zusammenkommen. Dabei sei klar, dass der Koalitionsvertrag gelte. Er werde aber auch dafür sorgen, dass weitere Reformen eine sozialdemokratische Handschrift tragen werden.
Der gestern vom Amt des SPD-Chefs zurückgetretene Matthias Platzeck kündigte inzwischen an, im Juli wieder für den brandenburgischen SPD-Landesvorsitz zu kandidieren. Er wolle auch 2009 erneut als Spitzenkandidat seiner Partei zur Landtagswahl antreten. Dies habe der brandenburgische Regierungschef heute in der SPD-Fraktion angeboten, sagte Fraktionschef Günter Baaske in Potsdam.
Platzeck war nach nur knapp fünf Monaten im Amt als SPD-Bundesvorsitzender zurückgetreten. Er begründete das mit erheblichen gesundheitlichen Problemen. Er habe seine Kräfte überschätzt. In den vergangenen Wochen hatte Platzeck zwei Hörstürze sowie einen Kreislauf- und Nervenzusammenbruch erlitten.
hen/dpa/ddp/AP