SPD-Kandidatenfrage Steinbrücks Eigentor
Ex-Finanzminister Peer Steinbrück: Ein unbrauchbarer Versuch
Foto: A3250 Oliver Berg/ dpaBerlin - Peer Steinbrück ist kein gewöhnlicher Politiker. Der Sozialdemokrat ist klug und witzig, er kann reden und führen. Vor allem aber hat er Haltung. Er ist sich nicht zu schade, auch mal Dinge zu sagen, die quer zur Parteilinie liegen, auch mal Wahrheiten auszusprechen, die weh tun. Das alles hat ihm zu Recht den Ruf beschert, ein außerordentlich vernünftiger Politiker zu sein.
An diesem Wochenende hat sich Steinbrück allerdings einen außerordentlich unvernünftigen Fehler geleistet. Er hat sich selbst als Kanzlerkandidat ins Gespräch gebracht. So etwas macht man nicht, jedenfalls nicht, wenn man ein ernstzunehmender Politiker ist. Sich selbst für einen Posten vorzuschlagen, ist nicht nur ziemlich peinlich. Es ist meistens auch die Garantie dafür, dass man diesen Posten niemals bekommen wird. Das sollte eigentlich auch Peer Steinbrück wissen. Zumal das vor allem in der SPD gilt. Da hat der mittlere Mittelbau in der Funktionärsriege Leuten, die sich in den Vordergrund drängeln, schon immer gern das Leben schwer gemacht.
Man muss es so sagen: Mit seiner Wortmeldung tut der Ex-Finanzminister seiner Partei keinen Gefallen. Die SPD ist derzeit nicht in einem Zustand, in der sie den Anschein erwecken sollte, ans Regieren zu denken. Der Partei geht es schlecht. Ihre Führung taumelt, ihre Themen sind aus der Mode. Äußerungen, die nahe legen, die SPD sehe sich schon wieder kurz vor dem Kanzleramt, sollten sich die Genossen tunlichst verkneifen. Sie wirken merkwürdig entrückt, ja, lächerlich. Und dürften nur den Grünen weiteren Auftrieb verschaffen.
Steinbrück schadet mit seiner Selbstausrufung aber vor allem sich selbst. Die Parteispitze wird sich fragen, warum er die Genossen zuletzt vor Schönrednerei der eigenen Lage warnte, wenn er jetzt über Kanzlerträume spricht. Seine Freunde in der Partei werden sich wundern, warum er sich zuletzt "bekümmert" darüber zeigte, wenn sie ihn öffentlich für Höheres ins Spiel brachten. Und seine Feinde in der SPD - von denen es viele gibt - werden sich in ihren Vorurteilen bestätigt sehen. Sie halten ihn für einen schlechten Team-Spieler und inhaltlich für eine Light-Version von Wolfgang Clement. Dass sie sich mit einem Rechten als Kanzlerkandidat arrangieren, war bislang schon unwahrscheinlich. Mit einem Rechten, der sich auch noch aufdrängt, können sie noch weniger anfangen.
Gut möglich also, dass sich Steinbrück mit seiner Offensive selbst aus dem Spiel genommen hat.
Das wäre schade. Denn: So einen wie ihn kann die SPD gut gebrauchen - auch als Kandidaten. Er wildert im bürgerlichen Lager, er zeigt klare Kante, kann Krisen managen und regieren. Das hat er als Finanzminister bewiesen.